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Höhlenforscher

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Beschwerliche Kriechpfade

glitschige Hügel und Gipfel

Licht am Ende der Höhle

Unser getreues Gewässer leitete uns durch den übrigen Teil der Höhle hin, wo sich der Felsen noch zum letztenmale wölbt, und dann wieder niedersteigt, bis er mit der Flut zusammenstößt, die hier einen kleinen halben Cirkel macht, und so die Höhle schließt, daß kein Sterblicher einen Fuß weiter setzen kann.

Mein Führer sprang hier hinein, schwamm einige Schritte unter dem Wasser und dem Felsen hin, und kam ganz benetzt zurück, um mir zu zeigen, daß es unmöglich sei, weiter zu kommen, wenn dieser Felsen nicht etwa einmal mit Pulver gesprengt, und vielleicht eine zweite Höhle hier eröffnet wird.

Jetzt glaubte ich, würden wir den nächsten Weg wieder zurücknehmen, allein ich sollte noch mehr Beschwerlichkeiten erdulden, und noch schönere Auftritte sehen, als die bisherigen.

Mein Führer wandte sich auf dem Rückwege zur linken Hand, wo ich ihm durch die Öffnung einer hohen Felsenwand folgte.

Hier fragte er mich erst, ob ich mich entschließen wollte, eine ziemliche Strecke unter einem Felsen durchzukriechen, der beinahe die Erde berührte, und als ich dies bejahete, sagte er mir, ich solle ihm nur folgen, mit der Warnung, mein Licht wohl in Acht zu nehmen.

Und so krochen wir nun auf Händen und Füßen im nassen Sande durch die Öffnung zwischen dem Felsen fort, die oft kaum groß genug war, sich mit dem Körper hindurchzuwinden.

Als wir diesen beschwerlichen Durchmarsch vollendet hatten, sahe ich in der Höhle einen steilen Hügel, der so hoch war, daß er sich oben in den höchsten Felsen wie in einer Wolke zu verlieren schien.

Dieser Hügel war so naß und schlüpfrig, daß ich sogleich hinstürzte, als ich nur den ersten Schritt hinauf tun wollte. Mein Führer aber faßte mich bei der Hand, und sagte, ich sollte ihm nur folgen, weil er schon wüßte festen Fuß zu fassen.

Wir stiegen nun eine solche Höhe hinauf, und an beiden Seiten waren solche Abgründe, daß mir noch schwindelt, wenn ich daran denke.

Als wir endlich auf dem Gipfel waren, wo sich der Hügel in dem Felsen verliert, stellte mich mein Führer auf einen Platz, wo ich festen Fuß fassen konnte, und sagte mir: ich sollte da nur ganz ruhig stehen bleiben. Indes ging er selbst mit seinem Lichte den Hügel hinunter, und ließ mich ganz allein.

Ich verlor ihn eine Zeitlang aus dem Gesichte, bis ich endlich nicht ihn, sondern sein Licht tief im Abgrunde wieder erblickte, woraus es wie ein schöner Stern emporzusteigen schien.

Nachdem ich mich eine Weile an diesem unbeschreiblich schönen Anblick ergötzt hatte, kam mein Führer, und brachte mich den steilen schlüpfrigen Hügel auf seinen Schultern glücklich wieder hinunter. Und als ich nun im Abgrunde stand, stieg er hinauf, und ließ sein Licht oben durch eine kleine Öffnung in dem Felsen hinunterschimmern, indes ich das meinige mit der Hand verdeckte, und nun war es, als ob in dunkler Mitternacht, durch dicke Wolken ein Stern hinunter glänzte: ein Anblick, der alles an Schönheit übertraf, was ich gesehen hatte.

Nun war unsre Reise ganz vollendet, und wir kehrten mit vieler Mühe und Beschwerlichkeit durch unsern engen Weg wieder zurück.

Wir betraten aufs neue den Tempel, den wir vor kurzem verlassen hatten; hörten aufs neue den Regenguß, sanft rieselnd in der Nähe, und melodisch tönend in der Ferne, und kehrten über die stillen Flüsse, und durch den weiten Raum der Höhle, wieder zu dem engen Pförtchen zurück, wo wir vorher vom Tageslichte Abschied nahmen, das wir nun nach einer langen Dunkelheit wieder begrüßten.

Und ehe noch mein Führer das Pförtchen eröffnete, sagte er, jetzt würde ich einen Anblick haben, der alle die vorigen an Schönheit weit übertreffen würde. Ich fand, daß er Recht hatte; denn indem er die Pforte erst halb eröffnete, war es mir wirklich, als täte ich einen Blick in Elysium, in einem solchen wunderbaren erquickenden Dämmerlichte zeigten sich alle Gegenstände.

Der Tag schien allmählich anzubrechen, und Nacht und Dunkel schwanden. In der Ferne sahe man zuerst wieder den Rauch der Hütten, und dann die Hütten selber; und wie wir höher hinaufstiegen, sahen wir noch die Knaben bei dem abgehauenen Stamme spielen, bis endlich die rötlichen Purpurstreifen des Himmels durch die Öffnung der Höhle schimmerten, und gerade indem wir hinausstiegen, die Sonne im Westen untersank.