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Gepflogenheiten

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Morgens im Pyjama auf der Straße

Mode, aufschneiderische Medien und eintönige Predigten

Englische Puffs und Touren über den Hannover Square

Des Morgens pflegt man in einer Art Negligee (Morningdress) mit unfrisiertem bloß aufgewickeltem Haar, und im Frack und Stiefeln auszugehen. In Westminster dauert der Morgen bis Nachmittags um vier bis fünf Uhr, wo man erst zu Mittage speiset, nach welchem Verhältnis sich denn auch die Zeit des Abendessens und zu Bettegehens richtet.

Um zehn Uhr wird gemeiniglich erst gefrühstückt. Je weiter man von der Gegend des Hofes wiederum in die Stadt kömmt, desto bürgerlicher wird es auch, und man speist wohl zu Mittage um drei Uhr, sobald nehmlich die Geschäfte auf der Börse geendigt sind.

Besetzte Kleider werden denn doch nicht getragen, und die gewöhnlichste Art, sich im Sommer zu kleiden, ist eine kurze weiße Weste, schwarze Beinkleider, weiße seidne Strümpfe, und ein Frack, gemeiniglich von sehr dunkelblauem Tuche, das beinahe wie schwarz aussieht, wenigstens bedient man sich immer der dunklern Farben. Will man Galla machen, so trägt man schwarz. Officiere gehen nicht in Uniform, sondern kleiden sich bürgerlich, und zeichnen sich bloß durch eine Kokarde am Hute aus.

Sobald die Engländer frisiert sind und Halsbinden tragen scheinen sie auch weichlicher zu werden, und warnen einen bei jeder Gelegenheit dass man sich nicht erkälten solle. You´ll catch cold! heißt es, wenn man sich nur ein wenig dem Zuge oder der Luft aussetzt, oder nicht warm genug angezogen ist.

Die gewöhnliche Konversation dreht sich im Sommer fast immer um den wichtigen Gegenstand, ob dieser oder jener Bekannte in the Country, (auf dem Lande) oder in Town (in der Stadt) sei. Freilich ist dies sehr natürlich, da beinahe die Hälfte von den Einwohnern der Stadt im Sommer aufs Land hinauszieht, wohin ich auch bald wandern werde, ob ich gleich kein Einwohner von London bin.

Die Elektricität ist das Puppenspiel der Engländer. Wer damit Wind machen kann, ist eines glücklichen Erfolgs gewiß. Dies kann denn ein gewisser Herr Katterfello, der sich für einen Preußischen Husarenobristen ausgibt, schlecht Englisch spricht, und außer den gewöhnlichen elektrischen und andern physikalischen Versuchen noch einige Taschenspielerkünste versteht, womit er, wenigstens den Zeitungen nach, das ganze Publikum in Bewunderung und Erstaunen setzt. Denn fast in jedem Zeitungsbogen, der erscheint, stehen Gedichte auf den großen Katterfello gedruckt, die irgend einer von seinen Zuhörern ex tempore gemacht hat.

Jeder Vernünftige hält diesen Katterfello für einen Windbeutel, demohngeachtet hat er Zulauf die Menge. Er hat den Leuten demonstriert, dass die Influenza von einer Art kleiner Insekten herrühre, welche die Luft vergiften, und ein Arkanum, das er dagegen zu haben vorgibt, wird ihm reißend abgekauft. Seit einigen Tagen hat er in die Zeitung setzen lassen: Herr Katterfello habe zwar immer sehr gewünscht, dass kaltes und regnigtes Wetter einfallen möge, um die kleinen schädlichen Insekten in der Luft zu töten, jetzt wünsche er aber nichts eifriger als heitres Wetter, weil seine Majestät und die ganze Königliche Familie beschlossen hätten, sobald einmal ein schöner Tag sein würde, die großen Wunder in Augenschein zu nehmen, welche ihnen dieser erhabne Philosoph darstellen würde, und die königliche Familie soll noch nicht daran gedacht haben, die Wunder des Herrn Katterfello zu sehen. Dergleichen Aufschneidereien werden im Englischen sehr schön durch das Wort, Puff ausgedrückt, welches in seiner ersten Bedeutung, das Schnauben oder Blasen eines starken Windes, und in der zweiten oder metaphorischen eine Prahlerei oder Aufschneiderei bedeutet.

Von solchen Puffs sind nun die Englischen Zeitungen tagtäglich voll. Besonders von Quacksalbereien und Arkanis womit sich hier schon mancher, und unter andern auch ein Deutscher, der unter dem Namen the German Doctor bekannt ist, bereichert hat. Eine Ankündigung von einer Lotterie in den Zeitungen fängt sich mit großgedruckten Buchstaben also an: »Zehntausend Pfund für einen Sixpence! –

Ja, es mag so erstaunlich scheinen wie es wolle, so ist es doch ungezweifelt wahr, dass für den kleinen Einsatz von einem Sixpence zehntausend Pfund, und andre Hauptgewinste, die sich bis auf 50000 Pfund belaufen, gewonnen werden können u. s. w.« Genug für diesmal von den Windbeuteleien der Engländer!