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Darby

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Gasthaus der Bär ,irgendwo vor Darby

Schlechte Bewirtung in Duffield

Gottloses Volk im Gasthaus an der Heerstraße vor Matlock

Wir sprachen darauf sehr viel von Georg dem Zweiten, der sein Favoritkönig war, so wenig Georg der Dritte seine Gunst hatte: unter andern kamen wir auf die Schlacht bei Dettingen, wovon er viel Specialia wußte. Auch mußte ich ihm vom Könige von Preußen und seinen vielen Soldaten, und was bei uns die Schafe kosteten, erzählen. Und als wir darauf noch eine Weile von politischen Sachen gesprochen hatten, fragte er mich auf einmal: ob ich das Waldhorn blasen könne? – dies vermutete er deswegen, weil ich aus Deutschland sei, denn er erinnere sich, als er noch ein Knabe gewesen wäre, hätte auch einmal bei seinen Eltern in eben diesem Gasthofe ein Deutscher logiert, und dieser habe das Waldhorn sehr vortrefflich blasen können. Er glaubte also, daß dies eine vorzügliche Eigenschaft der Deutschen sei.

Ich benahm ihm denn diesen Irrtum, und wir kamen wieder auf die politischen Angelegenheiten, indes seine Kinder und Gesinde in einiger Entfernung mit vieler Ehrfurcht unserm Gespräche zuhörten.

So brachte ich hier wieder einen sehr angenehmen Abend zu, und am Morgen, da ich gefrühstückt hatte, betrug meine Rechnung nicht mehr, als in Sutton.

Nun kam ich endlich am Freitage Morgen in die Heide vor Darby. Es wehte eine milde Luft, und ich war ganz außerordentlich heiter und vergnügt.

Gegen Mittag begann die herrliche romantische Gegend. Ich kam auf eine große Anhöhe, und sahe auf einmal eine ganze Perspektive von Bergen vor mir, wo immer ein Paar nähere noch ein Paar entferntere, und diese wieder noch entferntere, zwischen dem Raume, der sie trennte, durchschimmern ließen.

Und nun hob sich das Land immer wie eine Welle auf und nieder, auf deren Rücken ich bald emporstieg, und weit um mich her schaute, bald wieder in den tiefen Abgrund mit ihr hinuntersank.

Den Nachmittag sah ich Darby vor mir im Tale: Und nun war ich hundert sechs und zwanzig Meilen von London entfernt. Darby ist eine kleine unansehnliche Stadt. Es war hier gerade Markt, und ich mußte auch durch viele Menschen gehen, aber hier herrschte keine solche verhaßte Neugierde, und beleidigendes Anstaunen, wie in Burton. Auch wurde ich von nun an, wenn ich durch ein Dorf kam, von den Bauerkindern immer sehr höflich gegrüßt.

Von Darby bis nach den Bädern zu Matlock, wo eine der romantischsten Gegenden ist, waren noch funfzehn Meilen. Auf diesem Wege kam ich durch ein langes breites Dorf, welches, glaub´ ich, Duffield hieß. Man wies mich hier doch nicht in die Küche, sondern in ein Zimmer, und ich aß hier eine kalte Schale zu Mittage.

Die Kupferstiche und Bilder, welche man gewöhnlich in den Englischen Gasthöfen findet, sind eine Abbildung der ganzen Königlichen Familie, in einer Gruppe, wo der König sie als ein Vater um sich her versammelt, oder ein Grundriß von London, und auch das Bildnis des Königs von Preußen, welches ich hier verschiednemal gesehen habe. Auch findet man zuweilen eine Hogartsche Scene. Weil es eine große Hitze war, mußte ich in diesem Dorfe einigemal wieder das bemitleidende God Almigth! hören, wodurch man mich als einen armen Fußgänger bedauerte.

Am Abend kehrte ich wieder in einem Gasthofe an der Heerstraße ein, von welchem es nur noch vier Meilen bis Matlock war. Ich hätte es leicht noch erreichen können, aber ich wollte den ersten Anblick dieser Gegend lieber auf den folgenden Morgen versparen, als in der Dämmerung hinkommen.

Allein in diesem Gasthofe war ich nicht so glücklich, als in den beiden vorigen. Die Küche saß voller Bauern, unter welchen ich den Wirt nicht unterscheiden konnte, dem ich sonst gleich zugetrunken hätte. Nun hörte ich wohl, daß ein Bauermädchen, die auch mit in der Küche war, so oft sie trank, sagte: your Health, gentlemen all! (Eure Gesundheit, ihr Herrn insgesamt!) allein ich weiß nicht, wie es kam, daß ich vergaß, diese Gesundheit zu trinken, welches mir denn sehr übel aufgenommen ward. Der Wirt trank ein paarmal auf eine spöttische Art meine Gesundheit, gleichsam, um mir meine Unhöflichkeit zu verweisen, und dann fing er an, mich mit den übrigen auszulachen, die fast mit Fingern auf mich zeigten. So mußte ich nun eine Zeitlang den Bauern zum Gespötte dienen, bis endlich doch einer unter ihnen mitleidig sagte: we must do him no Harm, for he is a Stranger! (Wir sollten ihn nicht beleidigen, denn er ist doch ein Fremder!) it is no Harm! sagte der Wirt um sich zu entschuldigen, schien aber doch nun in sich zu gehen, und hörte mit seinen Spöttereien auf, als ich ihm aber nun zutrinken wollte, schlug er es ab, und sagte wieder auf eine spöttische Art zu mir: ich solle mich nur ans Kamin setzen, und mich wärmen, und mich um die Welt nicht bekümmern. Die Wirtin schien Mitleiden mit mir zu haben, und führte mich aus der Küche in ein andres Zimmer, wo ich allein sein konnte, indem sie sagte: das ist gottloses Volk!