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Nordirland

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»Troubles« oder waschechter Bürgerkrieg?

Das Erbe der englischen Kolonialisierung

Die Nachbarinsel war ohnehin schon seit längerem Sorgenkind der Engländer. In den Neunziger Jahren reihten sich die Anschlagsserien. Eine kurze Liste liest sich wie folgt:

Terrorwellen

20. März 1993: Warrington Bomb Attack: Eine IRA-Bombe detoniert in Warrington Cheshire, 2 Tote Kinder, mehr als 50 Verletzte.
24 April 1993: Eine Bombe detoniert am Bishopsgate in London. Die mittelalterliche St. Ethelburga´s Church wird zerstört, der Nat West Tower und die Liverpool Tube Station stark beschädigt.
23 Oktober 1993: Shankill Road Bombing tötet in Irland mehr als zehn Menschen inklusive dem Bombenleger. Als Reaktion darauf fand in Nordirland am 30. Oktober das Greysteel Massacer mit weiteren acht Toten statt.
8, 10, 13 März 1994: die IRA startet drei aufeinanderfolgende Mörserattacken auf den Flughafen Heathrow.
31 August 1994: Die IRA erklärt eine Waffenruhe.
9 Februar 1996: Keine zwei Jahre nach Einstellung der Feindlichkeiten geht in den London Docklands eine IRA-Bombe hoch. Zwei tote, vierzig Verletzte, der Waffenstillstand ist beendet.
15 Juni 1996: die Manchester-Bombe zerstört weite Teile der Innenstadt und verletzt über 200 Leute. Der bisher größte Bombenanschlag auf britischem Boden.
19 Juli 1997: Die IRA erklärt erneut Waffenstillstand.
15 August 1998: Das Omagh Bombing ereignet sich. Eine Autobombe der Splittergruppe Real IRA geht im irischen Marktviertel hoch. Mit 29 Toten, der schlimmste terroristische Anschlag in der Geschichte der Nordirland-Auseinandersetzungen.

Zwischendurch wurde aber immer weiter auf Einstellung der Konflikte hingearbeitet. Nachdem die Downing Street Declaration (die Einwohner Nordirlands erhalten das Recht zur Selbstbestimmung, also ob sie zu Großbritannien oder zu Irland gehören wollen) eine erste Annäherung und einen kurzen Waffenstillstand herbeiführte, erreichte das Good Friday Agreement vom 10. April 1998 dauerhafte Befriedung. Es wurde mit überwältigender Mehrheit sowohl in Irland (95%) und Nordirland (71%) angenommen, woraufhin die letzten 80 irischen Gefangenen aus dem berüchtigten Maze-Gefängnis entlassen wurden. Seitdem ist es wesentlich ruhiger geworden, auch wenn die Splittergruppe Real IRA noch einige Bomben zündete.

Endlich Aussicht auf Frieden

Am 28. Juli 2005 verkündete die IRA das endgültige Ende ihrer bewaffneten Kampagne. Die freiwillige Entwaffnung wurde von katholischen sowie protestantischen Beobachtern überwacht und im September desselben Jahres von offizieller Seite als abgeschlossen anerkannt.

Im Oktober 2006 wurde zwischen den politischen Parteien Nordirlands sowie der Landesregierungen Großbritanniens und Irlands das St. Andrews Agreement geschlossen, welches erneut ein eigenes Parlament für die Region, den Northern Ireland Assembly, ins Leben rief.

Nach der Wahl zum Assembly am 07. März 2007 bilden nun die protestantische Democratic Unionist Party unter Ian Paisley und die katholische Sinn Fein unter Gerry Adams eine gemeinsame Regierung, was noch vor Jahren undenkbar gewesen wäre. Und selbst in Belfast scheint sich die Lage deutlich entspannt zu haben. Ausgangssperren und Abriegelung der Innenstadt gehören jedenfalls der Vergangenheit an.