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Maritime Museum

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Lebendige Geschichte

Merseyside Maritime Museum

Am Albert Dock. Errichtet 1840 von Jesse Hartley und zwischenzeitlich renoviert. Hinweis für Motorisierte: den Wegweisern nach Pierhead folgen, an den Liver Buildings vorüberrauschen und den gebührenpflichtigen Museumsparkplatz links liegenlassen. Stattdessen seine Benzinkutsche kostenlos am Albert Dock-Komplex abstellen.

Schwerpunkt der Ausstellungen sind die Auswanderungsbedingungen in der Zeit von 1830-1920. Als Emigrants to a New World verließen die Menschen bis 1870 scharenweise ihre alte Heimat, getrieben von Elend und Armut, um sich in Liverpool vornehmlich nach Nordamerika (dreiunddreißigtägige Überfahrt) oder Australien (siebenundsiebzig Tage) einzuschiffen, aber auch nach Südamerika.

Schwere Zeiten

In den vorderen Sälen dreht sich alles um die von Entbehrungen geprägten Existenzbedingungen im 19. Jh., als eine Schädlingsepidemie auf den Kartoffelfeldern genügte, um breite Bevölkerungsschichten in Hunger und Elend zu stürzen. In vier Jahren hintereinander wurde die Kartoffelernte, Hauptnahrungsmittel nicht nur der Iren, fast völlig vernichtet. In Verbindung mit der Preistreiberei mit Getreide und Kartoffeln durch englische Spekulanten blieb vielen Menschen nur die Wahl zwischen Tod und Auswanderung, und die führte notgedrungen über Liverpool.

Das erklärt auch, warum so viele Iren in der nordenglischen Metropole hängen geblieben sind. Hatte man Liverpool erst einmal erreicht, hieß es warten und noch einmal warten. Davon profitierte wiederum die Stadt, die sich auf dem Rücken der armseligen Emigranten eine goldene Nase verdiente, indem sie diese nach Strich und Faden ausquetschte. So kommt´s, dass heute mehr irischstämmige Nachkommen dieser Auswanderer in den USA wohnen, als Irland selbst Einwohner zählt.

Auf in die Neue Welt

Endlich, es geht los! Mit Sack und Pack geht´s aufs Schiff. Sicher der eindrucksvollste Teil der Besichtigung. Nach der Überfahrt Zwischenhalt auf Ellis Island, bevor im New Yorker Hafen endgültig das neue, nicht in jedem Fall bessere, Leben beginnen kann. Zunächst geht´s aber über Land weiter bis zum eigentlichen Zielort. Welch eine Irrfahrt, und unter welch armseligen Bedingungen! Zu guter Letzt darf der Besucher dann nach seinen ausgewanderten Ahnen forschen: ein ständig auf dem Laufenden gehaltener Datenspeicher macht´s möglich.

Nach dem Museumsbesuch ist ein Bummel über die Docks Pflicht, verbunden mit einer Besichtigung der Hafenmeisterbehausung und der Werkstatt eines Schiffszimmermanns, die wieder in Schuß gebracht wurde. Derzeit verfügt das Museum leider nur über wenige im Dock sichtbare Schiffe. Aber da dürfte sich bald etwas ändern. Stattdessen organisiert es schon mal Besichtigungsfahrten zwischen ausgedienten Segelschiffen. Man braucht sich nur danach zu erkundigen.