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Bier und Schnaps

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NOCH MEHR BIER UND SCHNAPS

Ein Paradies für Schluckspechte

In Cork und überhaupt im ganzen Südwesten des Landes haben die Stouttrinker eine Vorliebe für das Murphy entwickelt, nach ihrer Erfahrung das einzige irische Bier, von dem man keinen dicken Kopf kriegt. Gut zu wissen. Augenblicklich gewinnt in der Region das Beamish, ebenfalls ein Stout, an Beliebtheit, besonders bei den Arbeitslosen, denn es ist vor allem billig.

Wer ein braunes Bier bevorzugt, wird das schwach nach Karamel schmeckende Smithwicks – das »w« nicht sprechen – zu schätzen wissen. Es ist ursprünglich ein russisches Gebräu. Für diejenigen, die partout nicht von ihren Gewohnheiten lassen wollen, halten die Pubs auch ein kühles Blondes, ein Lager, parat.

— Außerdem gibt es eine Likörspezialität auf der Grundlage von Whiskey, stark gesüßt, aber dennoch bei den 36-Prozentigen angesiedelt: Irish Mist. Es versteht sich wohl von selbst, dass der übermäßige Genuß dieser Köstlichkeit auch den stärksten Mann fix in die Knie zwingt. Auf dem Festland ist der Likör fast nirgendwo erhältlich, in Irland bekommt man ihn dagegen in fast allen Pubs.

— Nicht zu vergessen natürlich der Bailey´s, jener sahnige Whiskey, der auch hierzulande längst in jeder gutsortierten Hausbar wie der unseren zu finden ist.

— Weniger Trinkfeste bestellen am besten doch einen Cider (Apfelmost), möglichst den der Firma Stag.

— Auch mal den vergorenen Fruchtsaft der Marke Ritz versuchen, der mit fünf Prozent Alkohol an einen süßen Sekt erinnert.

— Und nun zum Poteen, einem Schnaps von schier undefinierbarem, mehr als urigem Geschmack, der auf der Grünen Insel lange Zeit heimlich, also illegal, gebrannt wurde. Die Anfänge der Poteen-Tradition liegen schon ziemlich weit zurück. Im 18. Jh. besaß angeblich jede zweite Familie ihren eigenen Destillierkolben. Die Briten, die mit allen Drohungen versucht hatten, die Schnapsbrennerei zu unterbinden, erließen 1760 schließlich ein Gesetz, wonach jede heimliche Alkoholherstellung strafrechtlich verfolgt wurde. Um das Jahr 1800 gingen sie sogar so weit, auch die offizielle Whiskeyfabrikation Irlands zum Erliegen zu bringen, indem sie anordneten, dass nur noch englische Erzeugnisse ausgeschenkt werden durften. Logische Folge dieser Auflage war natürlich das Ansteigen der ungesetzlichen Schnapsbrennerei in den Haushalten, ein Gesetzesverstoß, den die Bevölkerung auch als eine Art Widerstand gegen die verhaßten Besatzer verstand. Um einen Überblick über das Ausmaß zu geben: allein in der Grafschaft Donegal wurden im Jahr 1816 nicht weniger als 531 Prozesse gegen Schwarzbrenner geführt.

Harsche Strafen, die Große Hungersnot und die Kampagnen der Kirche bewirkten allmählich, dass die Bevölkerung immer mehr die Finger vom Schnaps Marke Eigenfabrikat ließ. Nach den Bauernaufständen unter dem Kommando der Land League und nach der Umverteilung des Bodens an die Landbevölkerung geriet das Phänomen gar zu einer Randerscheinung. Eine königliche Kommission notierte im Jahre 1906, dass ein Mann, der zum Grundbesitzer aufsteige, in der Regel ganz rasch mit dem Trinken aufhöre.

In den vierziger Jahren soll es ein paar Häftlingen gelungen sein, im Gefängnis heimlich Schnaps zu fabrizieren. Das Gerücht kursiert, dass gegenwärtig auch die Insassen von Long Kesh, die von ihrem politischen Status profitieren, in dieser Hinsicht tätig seien ... Die unzähligen Iren, die im Laufe der Zeit in die USA abgewandert sind, haben natürlich ihre Rezepturen und Gewohnheiten drüben nicht geheimgehalten und daher maßgeblich zur Kreation des berühmten, schwarz gebrannten Moonshine beigetragen.

Heute noch wird in den Bergen von Donegal und Connemara die Poteen-Tradition gepflegt, aber wer etwas von dem Schnaps ergattern will, muß seine Anlaufstellen genau kennen. Meist läuft das über einen Bekannten, der wiederum einen Bekannten mit einem Draht zu den Quellen hat usw. Die ganze Geschichte erinnert uns doch irgendwie verdammt an unsere Obstwässerle-Quellen im Kaiserstuhl. Wem sich eines Tages die Chance bietet, Poteen zu kosten, halte sich gut am Tisch fest, denn das Zeugs hat´s in sich. Und sich ja nicht mit dem billigen Fusel abspeisen lassen, der in den Souvenirshops als Poteen verscherbelt wird.

— Sheebeen ist ein bis heute verbotener Fusel auf der Basis von Kartoffeln, das sich als allzustarker Tobak entpuppte.