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Subventionshaie

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Milchkriege

Flauer Fischfang, saisonaler Fremdenverkehr

Bedeutet dies, dass die obengenannten Veränderungen, die auf die Mobilisierung der aktiven Kräfte der Bretagne zurückzuführen sind, nur Beifallsbekundungen hervorrufen? Ohne auf die Vergänglichkeit des wirtschaftlichen Fortschritts zurückzukommen, vor allem in den Bereichen mit starkem Mehrwert, haben die große soziale und ökologische Explosion der siebziger Jahre – zugespitzt durch den Streik des Joint-Français – der »Milchkriege« der Durchbruch der nationalitären Kultur (Alan Stivell; die festou-noz (13), usw.) und der antiatomare Kampf in Plogoff; das Gegenteil bewiesen, wenn auch die Krise der achtziger Jahre die revolutionären Keime, aus denen sie sich nährte, erstickt zu haben scheint.

Firmen haben sich in der Bretagne niedergelassen, aber manche von ihnen haben – offensichtlich auf der Suche nach Subventionen befindliche »Piratenfirmen« wieder die Koffer gepackt, sobald sie ihre Prämien einkassiert hatten. Andere, eher ungeeignete Firmen konnten der Krise nicht standhalten oder verpaßten ihre Umstellung. Der Fall der Telefonindustrie, die Anfang der sechziger Jahre in mehreren Städten»in Le Trégor (Lannion, Guincamp, Tréguier) eingerichtet wurde, spricht Bände in dieser Hinsicht. Allgemein, und insbesondere im agrarwirtschaftlichen Sektor, bleiben die Löhne der Arbeiter jämmerlich, die Arbeitsbedingungen schwierig und die gewerkschaftlichen Freiheiten umstritten.

Der Fischfang seinerseits floriert kaum, zumindest, was die Zahl der Arbeitsplätze betrifft, obwohl die Bretagne 46% des französischen Marktes in Anspruch nimmt. Denez L´Hostis, Forscher beim IFREMER in Nantes, meint hierzu: »Im Jahre 1985 gab es weniger als 10.000 Fischer und dieser Beruf hat immer weniger Zulauf. Parallel dazu trägt die extrem schlechte Arbeitsmarktlage im Handel noch zur Verschlimmerung der Situation in diesem Berufszweig bei.«

Im Gegensatz dazu entwickelt sich der Tourismus prächtig und erlebt sogar Ausnahmejahre wie 1989. Obgleich er einen bedeutenden Beitrag zur regionalen Wirtschaft leistet, bringt er doch in der Hauptsache nur Saisonjobs hervor. Andererseits ist es wieder einmal, und das trotz einer rührigen Förderungspolitik für das bretonische Hinterland, der Küstenstreifen, also der mit Abstand wohlhabendste und bevölkerungsreichste Teil, der den Hauptnutzen daraus zieht, ein Phänomen, das jenes jetzt schon katastrophale Ungleichgewicht zwischen Armor und Argoat, zwischen Küstenstreifen und Innenland noch verstärkt.