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Die Tapoyer

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Beschreibung der Tapoyer

Stirnfransen sind in Mode

An den Festtagen wird sich lustig, toll und voll gesoffen

Die Tapoyer in Brasilien werden nach ihren verschiedenen Wohngebieten, Königen und Sprachen unterschieden. Ich bleibe aber nur bei denen, deren König Jandewi oder Jando-vi mit den Holländern in Allianz ist und welche auch bei den Holländern meist bekannt sind. Ihre Landschaft stößt an die Provinz Rio Grande und erstreckt sich fern ins Land. Sie wohnen aber in keinen Dörfern oder beständigen Plätzen, sondern ziehen von einem Ort zum anderen je nach der Jahreszeit oder Bequemlichkeit der fruchtbaren Orte.

Sie sind von Statur ein wenig größer, auch etwas bräunlicher als die Tupinambus, haben lange kohlschwarze Haare, so ganz schlicht bis über die Schulter herabhängen. Die vorderen Haare sind über den Augenbrauen gerade abgeschnitten. Allein der König lässt zum Unterschied des gemeinen Volkes seine Haare in Form einer Krone oder eines Kranzes scheren. Sie sind mörderisch von Angesicht, gehen ganz nackend, Manns- und Weibspersonen ohne Scham. Sie färben sich mit allerlei bunten Farben an Gesicht und Leibe. Die Männer stülpen den Penis in den Hodensack, binden ihn zu, und wenn sie Wasser lassen müssen, binden sie ihn wieder auf: Denn sie schämen sich sehr den ausgestreckten Penis zu zeigen. Die Weiber bedecken zwar ihre Blöße auch etwas mit zwei Büschlein grünen Laubes vorn und hinten, von dem sie alle Tage frisches nehmen. Man kann aber doch leicht dabei alles sehen, was sie haben.

Ihre Speise ist Mili (türkischer Weizen) und Farinha, wozu sie allerhand Wildbret, Fische, Krabben, wohl auch etliche Schlangen und allerlei Wald- und Gartenfrüchte essen. Sie kochen das Fleisch nicht in Töpfen, sondern machen ein Loch in die Erde. Darein legen sie erst ein wenig Laub, danach das Fleisch, hernach wieder Laub und Sand. Auf dem Sand machen sie ein Feuer, davon brät das Fleisch im Loch. Ihr Trank ist gewöhnlich ein frischer Trunk Wasser. Zwar machen sie auch Getränke aus Früchten, mit denen sie sich auf ihre Festtage lustig, toll und voll saufen.

Ihre Wehr und Waffen sind Pfeil und Bogen, Wurfspeer und Keulen aus hartem Holze.

Des Morgens, wenn sie aufstehen, laufen sie stracks ins Wasser, reiben ihre Leiber mit Sand und Wasser rein, dehnen und recken sich aus, dass ihnen alle Glieder knacken, und lassen auch wohl Salven dazu hinstreichen, dass man es überweit hören kann. So vertreiben sie die Trägheit und werden munter und hurtig davon.

Wenn sie gegen ihre Feinde ziehen wollen, fragen sie zuvor ihre Priester (Teufelsbeschwörer) um Rat. Und wenn dieselbigen ihnen den Sieg zuvor verkündigen und sie erhalten auch den Sieg, so werden die Priester für heilige Leute gehalten. Trifft´s aber nicht zu und sie werden geschlagen, so werden die Wahrsager von denen, die von der Wallstatt wieder zurückkommen, gewiss wacker verprügelt. Und wenn sie nach Proportion ihrer Feinde nicht drei oder vier Mann gegen einen haben, so gehen sie nicht daran, sondern sehen zu, dass sie durch Verräterei, und wenn es gleich unter dem Schein der Freundschaft geschehen sollte (so sie für keine Schande halten), dieselben mit Listen hintergehen.

Sie halten nichts von Gott oder seinem Wort, sondern sie veranstalten zu einer gewissen Zeit im Jahr ein Fest drei Tage lang dem Wagen oder Großen Bären am Himmel zu Ehren, vor dem sie auch niederfallen. Sie halten sich an ihre Wahrsager oder Priester, die ihnen in allen Geschäften, die sie anfangen wollen, Rat erteilen.

Wenn aber eine wichtige Sache vorliegt, so gehen die Priester in einen Wald, murren und reden den ganzen Weg mit sich selber und im Rückwege schreien sie mit heller Stimme: "Annes annes ledas ledas Hade condeg!" Darauf antwortet alsdann das Volk: "Hou!"

Wenn die Vögel schreien, so rufen sie denselben zu und fragen sie über zukünftige Dinge. Wenn sie auf die Jagd gehen wollen, so werfen sie eine Feder in die Höhe. Wohinwärts nun die Feder fliegt, dahin wenden sie sich.

Sie nehmen so viel Weiber, als ihnen beliebt, und wenn sie einander nehmen, so ritzen sich Bräutigam und Braut mit einer scharfen Muschel in einen Finger, bis das Blut herausgeht, mischen etliche Tropfen untereinander und lecken sie miteinander auf. Dem Bräutigam werden von dem Priester zwei Löcher in die Backen oder den Mund gemacht, zum Zeichen des Ehestandes. In diese Löcher stecken sie rote oder grüne Steine, Metarabi oder Metara genannt, und lassen sie nicht wieder zuwachsen.

Wenn die Weiber Kinder gebären, so schneiden sie dem Kinde die Nabelschnur mit scharfen Muscheln ab, braten sie mit der Nachgeburt und fressen es miteinander. Und wenn auch die Kinder tot zur Welt geboren werden, braten sie dieselben gleichfalls und fressen sie, sagend, sie könnten nirgends besser verwahrt werden.

Stirbt jemand von ihnen, so kommen die Priester und hauen dem Körper den Kopf samt Armen und Beinen ab und zerlegen dieselben von Glied zu Glied. Des Verstorbenen Weiber oder nächste Freunde beweinen und beklagen die Leiche und braten die zerteilten Stücke. Alsdann setzen sich die nächsten Freunde zusammen und begehen das Begräbnismahl. Und damit nichts übrig bleibe, so nagen die alten Weiber die Knochen mit den Zähnen rein ab. Diese Knochen verwahren sie bis auf ihr großes Fest. Da verbrennen sie dieselben zu Asche, mischen sie in den Trank und saufen sie mit. Und solches geschieht nicht aus Rachgierigkeit, sondern um damit ihre große Liebe, die sie zu den Verstorbenen getragen haben, zu bezeigen. Endlich, wenn ein Vornehmer stirbt, so werden zu solchem Begräbnismahl auch die Vornehmsten gebeten, damit sie helfen ihn zu verzehren.