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Castelli Romani

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Dreizehn römische Burgen

Land und Leute südöstlich Roms

Die »römischen Burgen« waren ursprünglich dreizehn Dörfer, die im Mittelalter befestigt wurden. Der Ausdruck »Castelli Romani« meint längst die ganze Region südöstlich von Rom. Man kennt sie aber auch unter dem Namen »Albanische Höhen« (Colli Albani). Das vulkanisch geprägte Gelände ist hügelig und geheimnisvoll malerisch mit seinen Kraterseen.

Seit der Antike hatten sich die reichen Römer hier ihre Villen bauen lassen, um sich in der frischen Luft von der Hauptstadt zu erholen. Auch heute wird man fast neidisch auf die luxuriösen Behausungen blicken. Darüber hinaus haben das Land und die Dörfer nicht an Einfachheit und Authentizität eingebüßt. Und das ist noch nicht alles: die Küche in dieser Gegend ist hervorragend.

Es verkehren ein Bus von der U-Bahn-Haltestelle »Subaugusta« und ein Zug von »Termini«. Mit dem Auto wähle man wegen der hübschen Ausblicke die Via dei Laghi, die Straße der Seen.

Frascati: bekannteste Ortschaft in den Castelli Romani, nicht zuletzt wegen seiner weltberühmten Weine. Man zögere keinen Moment, in Weinkellern von den dort kredenzten edlen Tropfen zu kosten. Dort trifft sich häufig eine kartenspielende und an einem Weinglas nippende Stammkundschaft. Äußerst pittoresk. Und das gilt für alle Castelli Romani.

Vom Dorfplatz bietet sich eine hervorragende Aussicht auf Roms. Zu erkennen sind ferner die zauberhaften, nun der Öffentlichkeit zugänglichen Gärten der Villa Torlonia mit ihren Wasserspielen von Maderno. Die Villa selbst wurde im letzten Krieg zerstört. Den Platz beschließt die prachtvolle, von Giacomo della Porta entworfene Villa Aldobrandini. Die Gärten sind mit Genehmigung der Verwaltung der Villa zu besichtigen (Tel. 942 25 60). Auf zahlreiche andere Bauwerke wird man zufällig bei einem kleinem Spaziergang stoßen. Frascati ist eh kein Ort zum Besichtigen, den Reiseführer rechts, die Kamera links, sondern zum Umherstreunen.

Grottaferrata: bekannt vor allem dank seiner 1004 gegründeten und im 15. Jahrhundert befestigten Abtei. Öffnungzeiten: 8.30-12h und 15-19h; feiertags 8-10h und 15-18h.

Rocca di Papa;: ein wirklich malerisches Dorf mit steilen Gassen. Nichts Besonderes zu sehen, bis auf das Nest selbst.

Nemi: rühmt sich seiner Waldbeeren, die, zuzugebenermaßen, wirklich lecker, aber auch verdammt teuer sind. Die Ecke geizt auch sonst nicht mit Reizen: man denke nur an den Kratersee und die charaktervolle Ortschaft selbst.

Ariccia: am Dorfplatz von Bernini entworfene Gebäude, die man sich natürlich anschaut, will man nicht als Kulturbanause schief angesehen werden. Auf keinen Fall die skurrile »abwärts steigende Straße« außerhalb des Städtchens verpassen. Man braucht nur einen Einwohner danach zu fragen: alle dort kennen die »Discesa in Salita«. Es handelt sich zwar um eine abfallende Straße, doch wer sein Fahrzeug, ohne die Handbremse zu ziehen, im Leerlauf am toten Punkt anhält, wird die Überraschung erleben, sein Gefährt von alleine (!) sachte hinauf- statt herunterrollen zu sehen. Noch wirkungsvoller ist es mit einem Ball. Optische Täuschung? Irgend etwas, das der Erde besonders starke Anziehungskraft verleiht? Wissenschaftler haben dieses Problem noch nicht lösen können. Es ist jedenfalls kein Witz, sondern faszinierende Wirklichkeit!

Albano: nennt die Kirche S. Maria della Rotonda und das Grabmal der Familie der Horatius und der Curiatius aus den späten Jahren der Republik sein eigen. Die folgende Anekdote stammt aus jüngerer Zeit: als Rom noch ein Dörfchen war, das in Dauerfehde mit dem benachbarten Städtchen Alba lag (dem ältesten des gesamten Latium), hatten beide Stadtstaaten eines Tages die Nase voll – Armeen zu unterhalten geht schließlich ins Geld und das ständige Kriegführen wurde langsam langweilig. So kamen sie überein, jeweils drei ihrer stärksten Männer gegeneinander ersatzweise für alle anderen kämpfen zu lassen. Das sparte Geld und Personal.

Die drei aus der Familie der Horatius traten für Rom und die drei Curiatius für Alba an. Nun gut, im Nachhinein ist es recht einfach zu behaupten, man habe damals für die Gebrüder Horatius gewettet. Zum Zeitpunkt des Kampfes war das überhaupt nicht klar: gleich zu Beginn des Kampfes wurden zwei aus der Familie der Horatius getötet. Doch der Übrigbleibende war schlauer: er tat so, als wolle er die Flucht ergreifen, um seine immerhin verletzten Gegner voneinander zu trennen und sie dann einzeln abzumurksen. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende! In Rom zurück, traf er seine Schwester, die, so ein Pech, innig in einen der Curiatius selig verliebt gewesen war. Als sie die Neuigkeit erfuhr, weinte sie bitterlich (natürlich) und verfluchte Rom, was der gute Bruder ihr übelnahm. Und da es ihm auf eine(n) Tote(n) mehr oder weniger auch nicht mehr ankam, machte er auch ihr den Garaus.

Castel Gandolfo: das antike Alba lag in Wirklichkeit da, wo sich heute Castel Gandolfo befindet, nicht etwa in der Gemarkung des neuzeitlichen Albanos. Seit dem 16. Jahrhundert hat hier der Papst seine Sommerresidenz, die von Maderno an einer hübschen, von Bernini gestalteten Piazza errichtet wurde. Lohnend ist ein Abstecher zum, von Castel Gandolfo leicht zu erreichenden, Lago d´Albano (Albaner See), 25 km südlich von Rom.