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Sehenswertes

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Sehenswertes im Vatikan

In und um eine der größten Kirchen der Welt: Petersdom

Petersplatz: grundsätzlich segnet der Papst sonntagmittags die Menge. Da er aber bekanntlich öfters auf Reisen weilt, darf sich niemand darauf verlassen.

Zwischen Obelisken und Brunnen markiert eine Scheibe auf der Chaussee jenen Punkt, von dem aus man eine einzige statt vier Säulenreihen sieht. Es ist schon wieder Bernini, dem wir diesen kleinen Geniestreich und den harmonischen Gesamteindruck der Platzanlage verdanken: portikusähnliche Arkaden muten wie die ausgebreitete Arme des Petersdoms an und bilden eine Art Vorraum.

Petersdom (San Pietro): die größte Basilika der Welt, im Grundriß doppelt so groß wie Notre Dame in Paris. Selbst dieses verrückte Ding, Notre Dame de la Paix, in Jamusukro an der Elfenbeinküste ist kleiner, das der Papst 1990 als »Geschenk« von dem korrupten Potentaten Felix Houphouet-Boigny annahm, weil damit ein Radiosender verbunden ist, der die Missionierung der armen Heiden weiter Teile Afrikas sicherstellt. Korrupt deshalb, weil, wie ehemals die Merowinger, der besagte Potentat zwischen Privatschatulle und öffentlichen Geldern keinen Unterschied auszumachen vermag. Mit einer Kuppel von 158 m, auf welche die ursprüngliche Planung abgeändert werden mußte, damit der Papst sie annahm, mußte sie einen Meter unter der Höhe des Petersdoms bleiben. Die offiziell 240 Millionen DM Baukosten entspringen angeblich der »Privatschatulle« des 1993 verstorbenen Herrschers und entsprechen ungefähr den Auslandsschulden des Landes, woran man wieder sieht, wozu »Entwicklungshilfegelder« nicht alle gut sind. Die nächstgrößte Kathedrale, zuvor die zweitgrößte, steht in der ersten Hauptstadt Großbritanniens, Winchester.

Zurück von der zweitgrößten zur größten Kirche der Welt. Die Pforten von Sankt Peter öffnen sich Touristen von 7-19h, im Winter bis 17.30h. Führungen täglich und kostenlos (immerhin!). Auskünfte am Eingang zur Basilika, rechts in der Säulenhalle.

»Du bist Petrus (Stein), und auf diesem Stein werde ich meine Kirche errichten«, soll Christus gesagt haben. Der Vatikan ist denn auch der Sedes Petri, der »Sitz Petri«. Und was für eine Kirche hier entstand!
Zur ersten Kapelle rechts: Michelangelo war noch keine fünfundzwanzig Jahre alt, als er die bewundernswürdige Pietà vollendete. Das berühmte Werk ist heutzutage durch eine Vitrine geschützt, seit ein Verrückter sie einmal kurz und klein geschlagen hat.
Und nicht zu vergessen die Cattedra Petri mit dem Baldachin von Bernini – der ist eh kaum zu übersehen – und die Bronzestatue des Heiligen Petrus von Arnolfo di Cambio, dessen einer Fuß von den Küssen der Pilger bedenklich angeknabbert ist. Über seinem Haupt die unvermeidliche Frisbeescheibe.
Zu sehen sind auch die Grabstätten diverser Päpste, in der ganzen Kirche verstreut: von Clemens XIII. (die Skulptur stammt von Canova), von Urban VIII. (Bernini), Paul II. (Guglielmo della Porta), Innozenz VIII. usw.
Die vatikanischen Grotten mit den Gräbern des Petrus und mehrerer Päpste sind ebenfalls einen Blick wert; Eingang gleich hinter der Statue Petri.
Im Mittelschiff ist eine große Porphyrplatte in den Boden eingelegt. Das ist jene Fliese, auf der Karl der Große in der Neujahrsnacht des Jahres 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt wurde. Für diese Verbrämung seiner Macht hatte er sich gegenüber der Kirche dann mit der Christianisierung der heidnischen Sachsen zu bedanken. Dies ging bekannterweise mit etwas Nachhilfe vonstatten und kostete einigen tausend Heidenkindern das Leben, während der verbleibende Rest fortan seinen Zehnten bzw. bis heute seine Kirchensteuer nach Rom abliefern darf.

Ein besonders krasses Beispiel für die Ignoranz und Leugnung historischer Fakten durch die Christen: in St. Peter kann die riesige Statue des vielfachen Mörders und Vergewaltigers Alexander VI. bewundert werden, ohne dass allerdings dort – wie beim Konstanzer »Skandalbrunnen« geschehen – jemals ein Kruzifix mit einem Bretterverschlag umgeben worden wäre, damit Christus am Kreuz seinen »Stellvertreter« nicht anzusehen brauchte. Der »Spiegel« schrieb am 31.12.90 über den Kerl: »Die Bestatter gerieten gehörig ins Schwitzen. Über dem Körper dieses Toten, der so aufgequollen war (vor Syphilis), als hätte ihm jemand mit dem Blasebalg Luft eingepumpt, ließ sich der Sargdeckel partout nicht schließen. Da riß einem der Totengräber die Geduld: er begann auf dem Bauch des Toten wie auf einem Trampolin herumzuspringen. Jetzt endlich nahm der Kadaver des Papstes Alexander VI. bestattungstaugliche Formen an«.

Alexander Borgia (1492-1503), neben Sixtus IV. – den von der berühmten Kapelle – ganz oben auf unserer Hitliste der Päpste, brachte vier Kinder mit in den Vatikan und veranstaltete Massenorgien im Familienkreis. So ließ er einmal nach einem üppigen Abendessen fünfzig Hofhuren zunächst in Kleidern, dann nackt tanzen und darauf auf allen vieren herumkriechen und zuletzt vor den Augen Seiner Heiligkeit, seines Sohnes und seiner Tochter begatten, wobei man Preise für diejenigen aussetzte, welche die meisten Mädchen besprangen. Zuletzt die Siegerehrung. Der Papst unterhielt ein Verhältnis mit seiner Tochter Lucrezia, die es auch mit ihren Brüdern trieb und schon als Halbwüchsige ein Kind kriegte, das Alexander in einer Bulle als sein eigenes ausgab, in einer weiteren aber seinem Sohn Cesare zuschrieb. Eine seiner Geliebten, Julia Farnese, ließ er als Mutter Gottes und sich als Papst zu ihren Füßen malen.

Ungewöhnlich war derartiges beileibe nicht. Papst Johannes XII. trieb´s ebenfalls mit Mutter und Schwestern und starb in Aktion. Papst Johannes XXIII. (Baldassare Cossa) gestand vor dem Konstanzer Konzil Inzest ein. Nicht nur seine Schwägerin, sondern auch rund zweihundert Bologneser Witwen und Jungfrauen soll er beglückt haben. Aus Schonung für die Hörer wurden seiner Taten nur fünfzig verlesen – seltsam, wenn man bedenkt, dass neben dem Papst, dreihundert Bischöfen und dem Heiligen Geist auch siebenhundert Huren angereist waren, abgesehen von den bereits vom Klerus mitgebrachten. Dank selbigen Konzils starb Johannes Hus übrigens den Tod auf dem Scheiterhaufen.

Ja, Ketzern gegenüber war man wirklich nicht pingelig. Während man bei Hus heimlich ein halbverfaultes Maultier unter den Scheiterhaufen steckte, um dem Volk durch den Gestank die Gegenwart des Teufels zu demonstrieren, mischte man – nachdem man ihn abgestochen und gevierteilt hatte – zur Verunehrung seiner Asche nur Schweinekot unter den Scheiterhaufen des Protestanten Zwingli. Man sieht: eine feine Sippschaft.

Waren eben keine Heiligen, diese Päpste. Zudem gab´s ja auch noch andere, wie Bonifaz VII., der seinen Vorgänger per Erdrosselung in den Himmel befördern ließ und schließlich selbst um die Ecke gebracht wurde.

Auch diese gekürzt nacherzählten Fakten kam man in »Das Kreuz mit der Kirche« oder »Kirche des Unheils« von Karlheinz Deschner (Heyne TB) nachlesen, einem Standardwerk über die Sexualgeschichte der Kirche.

Ob die Unfehlbarkeit – übrigens wie auch die der Unbefleckten Empfängnis erst im 19. Jh. zum Dogma erhoben, zu einer Blütezeit von Wissenschaft und Technik also – wohlweislich wegen derartiger Geschichten sich nur auf Äußerungen des Papstes bezieht, wenn er »ex cathedra« spricht, wobei allerdings nun wieder niemand weiß, wann er das tut?
Historisches Museum und Schatzkammer: geöffnet von 9-18h, sonntags bis 17h; außer Saison nur vormittags.

Eher etwas für Liebhaber der Kirchenkunst. Aber auch für Geschichtsbegeisterte ein schönes Stück: das Meßgewand Karls des Großen; ferner die Grabstätte Sixtus IV. und der Sarkophag des Junius Bassus.
Die Kuppel des Petersdoms verdanken wir dem berühmten Architekten Bramante, der sich von der des Pantheons inspirieren ließ. Auch Michelangelo, Giacomo della Porta und Domenica Fontana kochten mit am Brei. Der Eingang rechts neben der Basilika (Zutritt von 8-18h). Schusterbrüsten und Kettenrauchern steht ein Fahrstuhl zur Verfügung. Wer an Klaustrophobie leidet (nee, nicht »Platzangst« – das ist die Agoraphobie – sondern die vor Beengtheit. Bloß wie heißt die auf deutsch?), verzichte besser auf die Kuppel, da es sich um ein schmales, steil ansteigendes und Wendeltreppchen handelt, auf dessen Ende man verdammt lange warten muß. Eindrucksvoller Tiefblick in das Innenleben der Kirche und nach außen über die ganze Stadt.