Machen wir ein Buch?

Reise, Sachbuch, Belletristik ...?
Alle interessanten Themen;
alles was bewegt.

Hier geht´s weiter!

Mystik

Body: 

Zeremonien in Salvador

Afrikanisch und mystisch

Magie und Rituale

Der Candomblé – ein afro-brasilianischer Ritus, der den von den Sklaven nach Brasilien mitgebrachten Religionen noch am nächsten steht – durchzieht das spirituelle und kulturelle Leben Salvadors wie ein roter Faden. Die in der Stadt die Mehrheit bildenden Schwarzen prägten das gesellschaftliche Leben bezüglich Kleidung, Küche, Bräuchen, Religion oder Handwerk nachhaltig. Obschon zur Annahme der Religion ihrer Peiniger gezwungen, gaben sie doch die ihre dafür nicht auf, sondern benannten ihre Götter ganz pragmatisch nach den Heiligengestalten des Katholizismus um. So entstand eine Verschmelzungsform der Glaubenszeremonien. Die katholische Obrigkeit war durch die starken spirituellen Bande gezwungen, dies als Tatsache hinzunehmen, vor allem während der Seefahrerfeste und in Bonfim. Lange Zeit verboten, sogar verfolgt, hat sich der Candomblé doch längst eingebürgert. Es existieren ungefähr eintausend Terreiros de candomblé in Salvador, hauptsächlich in Kleine-Leute-Vierteln und Favelas.

Die Candomblés von Bahia teilen sich in vier Gruppen auf: die Candomblés gêge-nagô, die als die reinsten angesehen werden und deren Einfluß in Brasilien am stärksten zu spüren ist. Dann die Candomblés aus dem Kongo, aus Angola und die Candomblés der Caboclos. Letztere haben sich weitgehend von ihren afrikanischen Wurzeln gelöst und sich mit Elementen der indianischen Kultur vermischt. In der Region haben sie die meisten Anhänger. Die Zeremoniephasen der Candomblés-Gruppen sind indes fast identisch; feine Unterschiede treten in der Praxis, den Gesängen und der Musik auf. Man sollte sich standhaft weigern, billigen Candomblé-Nachahmungen in Gestalt pseudo-folkloristischer Shows beizuwohnen.

Bis in die jüngste Zeit hinein waren fremde Elemente bei den Candomblé-Zeremonien nicht geduldet; nun aber öffnen sich die Darbietungen als Teil des gesellschaftlichen Lebens auch langsam den Fremden. Sie stellen einen zusätzlichen Anreiz für den Besuch der Stadt dar.

Das Fremdenverkehrsamt gibt eine Liste mit den Daten einer gewissen Anzahl von Zeremonien heraus. Wer meinen sollte, er sei dort allein unter Einheimischen, läuft Gefahr, bitter enttäuscht zu werden: sich unter dreißig oder vierzig Mittouristen mischen zu müssen, die bisweilen ein peinliches Verhalten an den Tag legen, ist nicht jedermanns Sache. In den meistbesuchten Terreiros werden Männer und Frauen getrennt und durch Absperrungen vom eigentlichen Geschehen ferngehalten. Fotografieren ist verboten, woran man sich auch halten sollte. In ein paar Jahren würden wir sonst als erste über die »Kommerzialisierung« dieses Schauspiels lamentieren.

Nichtsdestotrotz sind die Feiern authentisch und spektakulär – es bleibt nur zu wünschen, dass die Teilnehmer weiterhin ungerührt und unbekümmert ihren Festlichkeiten nachgehen – und haben eine beträchtliche kulturell-spirituelle Bedeutung. Anzahl und Erscheinungsbild der Touristen – allein schon die physische Verschiedenheit – verhindern natürlich eine wirkliche Integration und mindern den emotionalen Gehalt jeder Feier. Weihrauchgeschwängerte Atmosphäre, die einem nicht mehr aus dem Sinn gehende Musik der Atabaque, die rhythmischen Brüche während des Tanzes, die Besitzergreifung der Körper durch die Götter, Trance und Spannungen sind Teil einer unvergeßlichen Gesamtstimmung, die man in vollen Zügen auskosten sollte. Geldmünzen bereithalten, weil sich die Aufforderungen ans Publikum während der unterschiedlichen Phasen der Feier häufen. Manchmal wird ein Teil der, der Orixá des Tages zugedachten, Nahrung (Caruru oder Popcorn) vor Zermonienbeginn im Publikum verteilt. Wenn irgend möglich, sollte man versuchen, an einem nicht öffentlich angekündigten Candomblé in Begleitung eines Ortsansässigen teilzunehmen.

An dieser Stelle zwei empfehlenswerte Adressen. Das Fremdenverkehrsamt verfügt über einen genauen Veranstaltungskalender.

Casa Branca: Av. Vasco de Gama 463 (Nähe Tankstelle), im Viertel Vasco da Gama. Zehn Busminuten von Lapa aus.

Axé O Pô Afonjá: Sao Gonçalo do Retiro (ohne Hausnummer). Cabula. Von Lapa aus fünfundzwanzigminütige Busfahrt.