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Congonhas

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Städtchen der Kunstwerke

Malerische Kirchen

Weiteres kolonial geprägtes Städtchen, dessen Besuch sich allein schon wegen der Kunstwerke Aleijadinhos lohnt. Im Gegensatz zu Ouro Preto hat Congonhas seinen Ursprung nicht dem Goldrausch zu verdanken, sondern dem Wunsch eines kranken Diamantenhändlers. Der ließ dort auf einem Hügel eine Wallfahrtsstätte errichten, die sich zu einem beliebten Pilgerziel entwickelte. Es empfiehlt sich, seine Busplätze für die Rückfahrt zu reservieren.

Sehenswertes

Igreja Bom Jesús de Matozinho: auf einem Hügelchen erbaute Pilgerkirche. Der Rohbau stammt aus dem Jahre 1758, aber Aleijadinho hat das Außendekor erst zwischen 1795 und 1805 vollendet. Im Inneren kostbare Malereien, doch liegt das eigentliche Interesse der Kirche in der Arbeit des Bildhauers, der hier in einer verzehrenden Leidenschaft noch einmal seine letzten Kräfte mobilisierte. Auf dem Adro, dem Kirchenvorplatz, hat er zwölf Statuen aus Sandstein geschaffen, welche als Propheten das Kommen Christi ankündigen. Diese Arbeit des Künstlers ist einzigartig. Ein Stückchen weiter unten stellen sechs Kapellen die sechs Stationen oder Passos der Leidensweges Christi dar.

In der ersten die Darstellung des Abendmahls in Naturgröße, mit Jesus inmitten seiner zwölf Apostel. Gesichter und Gesten sind ausdrucksstark, ja dramatisch verzerrt ob der Entdeckung, dass einer von ihnen einen Verrat begehen wird. Die Figuren der letzten Kapelle lassen deutlich den Schwanengesang des Künstlers und den Höhepunkt seines Genies erkennen. Die ertragenen Qualen bei ihrer Ausarbeitung spiegeln sich in tragischen Gesichtszügen und Haltungen wieder. Aleijadinhos Stil hat sich hier ganz offensichtlich vom Barock entfernt, um sich dem Expressionismus zu nähern.

Die in Stein gehauenen Soldaten weisen entstellte Gesichtszüge auf. Auf diese Weise verlieh Aleijadinho seinem Haß auf die Portugiesen Ausdruck. Jede der Körperhaltungen ist unterschwellig eine Kritik an den Kolonialisten. Nach dieser, seiner letzten, Botschaft war es mit der Bildhauerkunst des »kleinen Krüppels« vorbei. Zehn Jahre später stirbt er, blind und gelähmt, nachdem er Lateinamerika eines seiner grandiosesten Werke vermacht hat.

Beim Besuch der Kirche sollte man nicht gerade mit Shorts auftauchen – sonst könnte es nämlich passieren, dass man abgewiesen wird.