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Bonaparte

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Der »kleine Korse«

Napoleon, General und Herrscher über Frankreich

1995 wäre er sicherlich ein Weltstar gewesen, ähnlich wie der Papst oder Clinton. 1769 in Ajaccio sollte er zunächst wenigstens zum Rächer Korsikas werden; dergleichen hoffte jedenfalls Maria Letizia Ramolino, die das Kind unter ihrem Herzen trug. Ihr Mann, Carlo-Maria Buenaparte, hatte zum bewaffneten Kampf gegen die »letzten Eindringlinge« aus Frankreich aufgerufen. Die Bonapartes, ursprünglich aus toskanischem Adel, lebten seit dem 16. Jh. auf Korsika.

Bald wurde aus dem glühenden Paoli-Anhänger jedoch ein Kollaborateur: da die Kehrtwendung in seinen Augen nicht gebührend entlohnt wird, möchte sich Carlo-Maria die Ausbildung seiner Söhne vom König finanzieren lassen. Insbesondere die seines zweiten Sohnes »Nabulione«, der in Mathematik glänzt. Das Kind erhält ein Stipendium und geht auf das Kolleg im burgundischen Autun. Sein Vater bringt ihn persönlich dorthin: er ist Abgeordneter des Adelstandes in Versailles und die Kosten werden ihm erstattet – Reisekostenaffären gab´s also schon damals ...

Die väterlichen Beziehungen verhelfen Nabulio dann auch bald auf die Militärschule. Der Junge mit dem gelblichem Teint erweist sich dort als jähzornig und überempfindlich. Und er liefert glänzende Ergebnisse.

1789 ist Nabulio zwanzig Jahre alt und Leutnant. Korsika ist zwischen Paolisten und den für die Revolution eintretenden Populaires gespalten. An die Fassade seines Hauses hat Napoleon geschrieben: es lebe die Nation! Es lebe Paoli! Es lebe Mirabeau! Die Buonaparte-Sippe erlebt eine Glückssträhne. Als Paoli zurückkehrt, dient ihm Napoleon. Aber dessen patriotischer Eifer und unruhestiftende Art machen beide Männer bald zu Gegnern: zwischen beiden ist die erste Runde der Vendetta eröffnet.

Sie wird jedoch später den früheren Chef nicht daran hindern, im Londoner Exil seine Wohnung festlich zu beleuchten, als Napoleon 1804 den Thron besteigt. »Er ist ein Kind Korsikas« wird er entschuldigend dazu sagen.

Die Erfolgsgeschichte Napoleons sucht aber auch wirklich ihresgleichen. »Bisher hat nur ein einziger Korse wirklich hart gearbeitet; und der ist gleich Kaiser geworden«, schmunzelt man deshalb. Kämpferisch, leidenschaftlich, nachtragend, pingelig, herrschsüchtig, einfallsreich, mutig und großzügig, Napoleon war einfach Korse!

Österreich, Preußen, Spanien, Ägypten, Portugal, Italien, Slowenien ... Er will alles ... und bekommt es auch, abgesehen von England und Rußland, durch die er auch wieder alles verliert. Und Korsika? Einmal auf den Thron gestiegen, vernachlässigt er seine Heimatinsel und schaut nur noch einmal vorbei ... für eine Woche. Die Landratte Napoleon steckte auf See immer Niederlagen ein.

Inseln spielen eine schicksalsträchtige Rolle in seinem Leben: nach einem längerem Elba-Aufenthalt stirbt er auf Sankt Helena. Und die Frau, die ihm Leiden zufügt, Joséphine, stammt aus Martinique (auch über diese Antilleninsel gibt´s einen Reiseführer von uns, aber das nur am Rande).