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Sittenreinheit

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Boxweltmeister Cassius Clay

Alkoholfest ohne Alkohol

Konservatives Amerika - zwischen Landstraßen und Gemischtwarenläden

Kentucky haftet der Ruf eines sittenstrengen, konservativen Bundesstaates an. Noch nehmen Gemischtwarenhändler die Stelle von Supermärkten ein, kurvige Landstraßen die Stelle asphaltierter Highways, schlichte Lokale die Stelle von Fast-Food-Restaurants. Die Einwohner schotten sich von der Außenwelt ab und pflegen selbst im "Ausland" (Chicago etc) engen Kontakt, ähnlich eingewanderten Ausländern. Man hängt an der Heimat Kentucky, wo sich Bodenständigkeit und Tradition einen.

Wenigstens Louisville suchte sich der Moderne anzupassen, doch der Versuch scheiterte kläglich. Zwar schminkte sich die Stadt durch Autobahnen wie eine Metropole, doch es fehlt der Platz für Wohnungen und Geschäfte. So verzogen sich die Einwohner in die Vororte.

Doch selbst die Schminke verbirgt nicht die südstaatliche Attitüde, die spätestens bei der Behandlung Muhammed Alis an den Tag trat. Als Cassius Clay erblickte der spätere Boxweltmeister in Louisville das Licht der Welt, erlebte sorgfältige Rassentrennung. Selbst als Goldmedaillengewinner verbot man ihm den Zugang zu einem Restaurant. Der Grund? Seine schwarze Haut.

Zwar benannte die Stadt später eine Straße nach ihm, doch daraufhin nutzten die Besitzer von Eckgrundstücken die Adresse der Seitenstraße.

Recht originell mutet übrigens das Kentucky Bourbon Festival in Bardstown an, bei dem Alkoholausschank verboten ist. Stattdessen gibt´s Cola und Limonade, und selbst die Raritätenversteigerung findet in einem Hinterzimmer statt. In Erinnerung an Carrie Nation, die im neunzehnten Jahrhundert vehement gegen Whiskey stritt, erscheinen immer wieder alkoholfeindliche Amerikanerinnen. Sie empören sich über die öffentliche Versteigerung hochprozentiger Getränke. Außerhalb dieser Auktion findet man Bourbon auf seinem Fest nur noch in Gewürzmischungen, Marmeladen oder Soßen.

In Kentucky entdeckt man eine - zumindest in der Hinsicht - zerrissene Geisteshaltung. Zwar möchten die Einwohner Whiskey verkaufen, trauen sich jedoch nicht mehr, zu ihm zu stehen. Allenthalben setzen Alkoholgegner ein Verbot durch.

Doch vielleicht erledigt sich die Sache ja von selbst, denn die Qualität des berühmten Getränks leidet durch die heutige Herstellung. Allzu lieblos geht es den Produzenten nur noch um den Gewinn.