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Leben im Reservat

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Kurze Geschichte der Indianer

Das Leben im Reservat

Das Reservat genießt offiziell den Status einer Nation Huronne-Wendat. Die Flagge zeigt einen Biber, Schneeschuhe und ein Kanu. In dem Zwergstaat gibt es eine Schule und eine eigene Polizei, die vor allem vorbeugend arbeitet. Im Verhältnis liegt die Kriminalitätsrate in Kanada zehnmal so hoch! Ein Oberhäuptling und sechs untergeordnete Häuptlinge sind für diesen gesellschaftlichen Mikrokosmos verantwortlich; sie versuchen, das kulturelle Erbe des Huronen-Stammes zu bewahren und dessen Ansprüche gegen die »weiße« Übermacht zu verteidigen. Innerhalb der Gemeinschaft ist nicht alles Gold, was glänzt: mit dem Besucherandrang hat sich auch eine Art wilder Kapitalismus eingeschlichen. Die einflußreichsten Familien des Dorfes scheinen sich jedenfalls die Vorteile dieses finanziellen Mannas unter den Nagel gerissen zu haben.

Reservat

Museumsdorf (Village Huron): Rue Stanislas-Koska. Täglich von 9 bis 18h geöffnet; kostet Eintritt; Führung durch Huronen.

Zunächst wird das traditionelle »lange Haus« aus Holz besichtigt, danach eine Räucherkammer und eine Trockenkammer für Fleisch. Anschließend die berühmte, weiter oben beschriebene »Sauna«, eine Hütte für Fallensteller sowie Werkstätten, in denen Kescher und Kanus hergestellt wurden. Texttafeln erläutern zusätzlich die Geschichte der Huronen. Alles in allem erwarten uns fesselnde und lehrreiche Stunden. Einziger Minuspunkt: die Werkstatt, in der die Schneeschuhe hergestellt werden. Dort sieht sich ein wenig beneidenswerter, mit Arbeit überhäufter Indianer gezwungen, vor den Besuchern gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Ohne die unvermeidlichen Segnungen des Fremdenverkehrs kommt das Dorf natürlich nicht aus: ein traditionelles Restaurant (s.o. »In der Umgebung essen«), ein Laden mit breiter Auswahl an Kunsthandwerk, geführt vom Sohn des Häuptlings (Mario Gros-Louis) und ein übler Kramladen mit Fotos und Andenken. Vielversprechender ist die indianische Bibliothek mit Kassetten, »riz sauvage« (verschiedene, wildwachsende Reissorten) sowie Büchern zur Geschichte und Lage der Indianer. Als lesenswert erachten wir insbesondere zwei Bücher, die näher heranführen an die indianische Geschichte und Philosophie, aber auch aktuelle Aspekte nicht auslassen: das in französicher Sprache verfaßte, umfangreiche Buch La Nation huronne von Marguerite Tehariolina und Pour une autohistoire amérindienne, ein hervorragender Aufsatz von dem Historiker und huronischen Dichter Georges E. Sioui.


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