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Kampf der Huronen

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Kurze Geschichte der Indianer

Vom Kampf der Huronen

Bis 1951 untersagte das »Loi sur les Sauvages«, das »Gesetz über die Wilden«, so der offizielle Name des Gesetzes, Indianern den Zugang zu Berufen wie zum Beispiel Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder Prediger ... Indianer, die an einer Universität studierten, verloren ihren Status als Indianer und damit ihre Rechte. Eine bittere Entscheidung: unwissend bleiben, um der eigenen Kultur und Tradition willen, oder die erzwungene Anpassung in Kauf nehmen, um sich die Möglichkeit offenzuhalten, in einer modernen, Leistungsgesellschaft aufzusteigen. Trotz der »Revision« dieses Gesetzes werden die Indianer amtlich als »nicht gleichgestellt« betrachtet. Auch weiterhin werden sie vom Gesetz wie Unmündige behandelt: sie dürfen keinen Alkohol trinken und müssen sich vor bestimmten Geldausgaben eine besondere Erlaubnis einholen. Gleichzeitig gewährt ein Gesetz jedem Indianer, der seine Eigenart als Indianer aufgibt und die kanadische Staatsbürgerschaft annimmt, den normalen »Erwachsenen«-Status. Sowohl die eine wie auch die andere Methode trägt hilfreich dazu bei, sich eines Volkes durch die Hintertür zu entledigen.

Ein anderes Problem stellt die den Indianern gewährte Sozialhilfe dar, insbesondere die Befreiung von Steuerzahlungen. Diese auf den ersten Blick humane Geste, die auch als unbewußtes Schuldeingeständnis der Behörden interpretiert werden könnte, erweist sich bei näherem Hinsehen als besonders nachteilig für die Indianer, denn sie zieht einen tiefen Graben zwischen die »Ersten Ankömmlinge« (so nennen sich die Indianer selbst) und die offensichtlich auf dieses Privileg eifersüchtigen Anglo- und Frankokanadier. Ein Großteil der öffentlichen Meinung versteift sich immer wieder auf dieses »Steuerproblem«. Noch schlimmer ist, dass diese falschverstandene »Unterstützung« die Indianer als Sozialhilfeempfänger abstempelt und eine wirkliche Verbesserung ihrer Lage im Wege steht. Und sie sind weiß Gott in einer mißlicher Lage: ein entwurzeltes Volk, das sich nicht mehr von seinem Land ernähren kann und dem es sowohl finanziell wie auch psychisch an Kraft mangelt, sich am Wirtschaftsleben des Landes zu beteiligen. Dabei hängt ausgerechnet diese Wirtschaft stärker als jede andere von der Ausbeutung der Natur ab (was mit der Philosophie der Indianer unvereinbar ist, wie oben beschrieben wurde). Den einzigen Ausweg scheint noch der Fremdenverkehr zu bieten, über dessen Auswirkungen das letzte Wort freilich noch nicht gesprochen ist. Seit Generationen als Händler erfolgreich, haben die Huronen diesen letzten Rettungsanker ergriffen – momentan liegt die Selbstmordrate bei den Indianern dreizehn Mal so hoch wie bei der weißen Bevölkerung Quebecs! Dank der in die Reservate strömenden Besucher ist die wirtschaftliche Lage des Huronenstammes sogar glänzend: nur drei Prozent der Huronen sind arbeitslos (Kanada landesweit: um die zehn Prozent!), was nicht zuletzt der bedeutenden kunsthandwerklichen Tätigkeit geschuldet ist, die sich der Herstellung von Schneeschuhen, traditionellen Kanus und Mokassins verschrieben hat. Dass die Indianerkultur so auf ein rein folkloristisches Beiwerk reduziert wird, darüber mag auch der relative wirtschaftliche Erfolg nicht hinwegzutrösten. Aber handelt es sich bei den wenigen intakten Schwarzwaldhöfen nicht auch längst um Freilichtmuseen?


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