National Portrait Gallery

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Londoner Porträtisten des 18. Jahrhunderts

Mit Gainsborough beherbergte Pall Mall eine weitere Berühmtheit. Der »Haus«-Maler
der reichen Familien ließ deren Mitglieder in prächtigen Landschaften mit nicht
minder prächtigen Häusern Modell sitzen und zeichnete auf diese Weise mit dem
Bild seiner Zeitgenossen zugleich das ihrer Umgebung. Er teilte sich die Gunst
der guten Gesellschaft mit Romney, dessen bemerkenswertes Selbstporträt in der
National Portrait Gallery am Trafalgar Square hängt. Über sein Leben ist nur
bekannt, dass er sich vierzig Jahre lang seiner Familie entzog, um zuguterletzt
heimzukehren und sein Leben bei Frau und Sohn zu beschließen, als sei nichts
gewesen.

Sir Joshua Reynolds erfreute sich dagegen eines Lebens, das sich weitgehend
in der Öffentlichkeit abspielte. Dem Bewunderer der italienischen Renaissance
war nichtsdestoweniger daran gelegen, der Welt die englische Kunst zu offenbaren
und die Überlegenheit der »gelehrten« Malerei und des »großen Stils« zur Geltung
zu bringen. Auch wünschte er einen achtbaren sozialen Status für die Maler und
wurde Mitbegründer und erster Präsident der königlichen Kunstakademie. Nicht
immer wurde dieses tugendhafte und edle Streben gewürdigt, denn böse Zungen
behaupteten, dass Reynolds einen erheblichen Teil seiner intellektuellen Aktivität
verwende, um noch so zweifelhafte Reputationen zu erhalten.

Die National Portrait Gallery

Gleich neben der National Gallery an den Trafalgar Square grenzend, wurde im
19. Jahrhundert die National Portrait Gallery eingerichtet mit dem Ziel, die
Porträts der herausragendsten Persönlichkeiten der britischen Geschichte zu
versammeln. Gegenwärtig sind es achttausend - ein Panorama des politischen,
kulturellen und sozialen Lebens vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, und natürlich
auch der englischen Malerei. Neben Werken von Holbein, der zwar Deutscher war,
aber vorwiegend in England wohnte und hier auch starb, erwarten den Besucher
hier Hogarth, Reynolds, Gainsborough, Millais, Sivert und Epstein, um nur einige
zu nennen. Schließlich hängt hier auch das einzige uns erhaltene, authentische
Bildnis von Jane Austen, gemalt von ihrer Schwester Cassandra.