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Entlang des Golfes

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Entlang des Golfes

Von Kairo aus erreicht man Suez – an der äußersten Nordspitze des gleichnamigen
Golfs – nach Verlassen der beengten Vororte auf einer durch tellerebene, monotone
Wüste führenden modernen Straße. Den Hafen, er lag im Krieg von 1967 und im
anschließenden Zermürbungskrieg unter heftigem Beschuß, dominiert die mächtige
Silhouette des Gebel Attaka. Seit der Wiedereröffnung des für die großen Öltanker
verbreiterten Kanals hat Suez sein reges Alltagsleben wieder aufgenommen, aber
etliche Häuser tragen noch Spuren des Artilleriefeuers.

Von Suez aus führt die Küstenstraße am bewachten Strand von Ain Sokhna entlang.
Dieses Detail ist nicht unwichtig, denn die naturbelassenen Küsten des Roten
Meeres sind von einer trügerischen Sanftheit: trotz der nach 1973 vorgenommenen
Minenräumungen sind unzählige Sprengkörper den Sprengkommandos entgangen, und es
ereignen sich regelmäßig folgenschwere Unfälle. Aus diesem Grunde darf man nur
an den gekennzeichneten und bewachten Stränden baden.

In Ras Zafarana führt die Straße ins Landesinnere zum ältesten Kloster Ägyptens,
dem Kloster des Hl. Antonius. Nicht weit von der Höhle errichtet, wo der Eremit
der Legende nach hauste, erfuhr es im Lauf der Jahrhunderte einige Veränderungen
und wurde von einer hohen Mauer umgeben, die es vor dem Einfall plündernder
Beduinen schützte. Innerhalb der Mauern sind die Kirche, die Kapellen, die Mühlen
und die Öfen, der Speisesaal und die Zellen um jene Quelle herum angeordnet,
die es den Mönchen ermöglichte, Böden zu bewirtschaften und das Kloster in eine
kleine unabhängige Oase zu verwandeln. Das Kloster des Hl. Paulus liegt noch
zurückgezogener in Wadi hoch über dem Roten Meer, in einer Landschaft von strenger
Schönheit und kaum gemildert durch den Widerschein des Meeres in der Ferne.

Zieht man die Fahrt in südlicher Richtung vor, so bietet sich Hurghada als
Sommerfrische an: es verfügt über vortreffliche Hoteleinrichtungen, und das
Wasser ist so sauber, der Meeresboden so klar und artenreich, dass der Ort es
zu einem bedeutenden Tiefseetauchschule gebracht hat.

Ab Port Safaga bietet sich die Straße nach Kena, die nahe am aufgegebenen Steinbruch
Mons Claudianus vorüberführt, für einen weiteren Abstecher ins Tal an. Zur Zeit
des Augustus brachen Gefangene in Mons Claudianus die berühmten Granitsäulen
aus dem Fels, von denen einige zu Beginn unserer Zeitrechnung an Ort und Stelle
blieben. Noch weiter südlich führt uns der Weg von Kosseir nach Kuft, durch
die grünen Brekziensteinbrüche von Wadi Hammamat, wo die Arbeiter einst unzählige
Felsinschriften anbrachten. Schlußendlich noch die letzte Verbindung zwischen
dem Roten Meer und dem Niltal, die Straße von Mersa Alam nach Edfu.