Machen wir ein Buch?

Reise, Sachbuch, Belletristik ...?
Alle interessanten Themen;
alles was bewegt.

Hier geht´s weiter!

Trastevere

Body: 

Eines der ältesten Viertel Roms

Arbeiterdorf – Wäscheleinen und Spaghettitöpfe auf den Straßen

Vis-à-vis, jenseits des Tibers (»trans tiberim«), liegt eines der ältesten Viertel Roms: Trastevere, ab Stadtmitte am schönsten über die Tiberinsel oder die Ponte Sisto erreichbar. Die Brücke wurde im 15. Jahrhundert von Papst Sixtus IV. wiedererrichtet und durch die Einnahmen aus einer Sondersteuer der Prostituierten finanziert.

Trastevere war bis vor wenigen Jahrzehnten das »Arbeiterdorf« Roms. In den dunklen, von Wäscheleinen überspannten Gassen rückte man abends die Tische vor die Tür und aß gemeinsam aus riesigen Spaghettitöpfen. Dörfliches Leben und ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl fanden jeden Sommer im Noantri-Fest ihren lebhaften Ausdruck. »Noantri« steht im römischen Dialekt, dem Romanesco, für die »Festa di Noi Altri« – das »Fest von uns anderen«. Mittlerweile ist das Gemeinschaftsfest zu einem anomymen Budenrummel verkommen. Wo sich einst kleine Werkstätten und Läden in Kellern und Hinterhöfen verbargen, tobt heute das bunte Nachtleben im römischen Vergnügungsvierel Nummer eins.

Das Flair dieses lebendigen, malerischen Dorfs mitten in der Stadt zog seit den sechziger Jahren zunehmend wohlhabende Manager, Makler, Anwälte, Filmleute, Intellektuelle und hohe Beamte an. Immobilienfirmen stürzten sich auf Trastevere, boten Abstandszahlungen für die baufälligen, feuchten Wohnungen – und renovierten. Das war der Anfang vom Ende des alten Trastevere: innerhalb von nur zwanzig Jahren zogen sechzig Prozent der Trasteverianer in die Vorstädte ab. Heute ist das Viertel ein Schmuckstück mit malerischen Ecken, stillen Klostergärtchen und grünen Innenhöfen. Edle Restaurants, Cocktailbars und Boutiquen eroberten die romantischen Gassen. Unzählige Pizzerien und Pubs ziehen allabendlich Römer und Touristen in Scharen an. Im Sommer verwandeln sich die versteckten Plätze in lärmige Speisesäle, wo an langen Holztischen unter bunten Lampions gespeist wird.

Im Herzen des Madonnenviertels Trastevere, wo der Mutter Gottes in jeder Mauernische gehuldigt wird, erhebt sich auch die älteste Marienkirche der Welt. In Santa Maria in Trastevere aus dem 3. Jahrhundert fanden vermutlich die ersten öffentlichen Gottesdienste der römischen Christen statt. Das warme Gelb der Fassade wird von glänzenden Goldmosaiken aus dem 12. Jahrhundert unterbrochen und verleiht dem ganzen Platz eine anheimelnde Atmosphäre.