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Cricket

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Cricket

Bei günstiger Witterung beginnt die Saison Mitte April. Dann wird der makellose Rasen zweier cricket grounds bis Sep zum Anziehungspunkt von halb London. Auch wenn die Karten 15-75 € kosten, gehen sie weg wie warme Muffins. Kind (0-17) in Begleitung Erwachsener frei.

Oval, Kennington Oval, Kennington, SE11, T. 7582 7764. www.surreycricket.com. U Oval.

Auch wenn das imposante Stadion seinen Namen zuletzt mehrfach änderte (früher Foster´s, dann AMP, zuletzt Brit Insurance) – bekannt ist es bei Jung & Alt einfach als „The Oval“. Hier trägt das Team von Surrey seine Heimspiele aus, hinzu kommen Länderspiele der NatWest Series, des Twenty20 Cups und einige Ashes-Testspiele (zwei bis vier Monate im voraus ausverkauft).

Lord´s, St John´s Wood Rd, NW8, T. 7432 1066. www.lords.org.uk. U St John´s Wood.

Im Mekka des Cricketsports ist das Team von Middlesex zuhause. Oft Länderspiele, dazu das Marylebone Cricket Club Museum; siehe Anschauen/St John´s Wood.

Hauptsache nicht bewegen!

Einheimische gestehen gerne, dass dies der große Vorzug ihres Lieblingsspiels sei: Es geht so langsam vonstatten, dass kein Gespräch unterbrochen werden muss, weder zwischen Zuschauern noch auf dem Spielfeld. Viel Zeit müssen ohnehin alle Beteiligten haben. Inklusive Mittagspause und Fünfuhrtee dauert ein Spiel 3-5 Std, kann sich aber bis zu 30 Std, verteilt auf fünf Tage, erstrecken. Das Rekord-Match, 1939 gegen Südafrika, musste nach zehn Tagen abgebrochen werden, weil die Gäste sonst ihr Schiff verpasst hätten.

Krise. Kein Wunder also, dass Cricket in der Krise steckt. Die Moderne hat diese Leibesübung für gentlemen gesetzten Alters überrollt. Kids zieht es zu Fuß- oder Basketball, Sponsoren machen sich dünne, viele TV-Anstalten haben keine Zeit mehr. So verfielen Marketingstrategen darauf, die Teams mit bunten Hemden antreten zu lassen. Das sollte die Jugend wieder anlocken, brachte aber nur böses Blut unter Cricketfreunde. Denen ist ihr Spiel Religion, ein letztes Bollwerk von sportsmanship gegen ekligen Kommerz, ein Relikt jener Tage, als das Gras grüner, der Brite glücklicher und sein Empire noch mächtig war. Oder mit den Worten von Ex-Premier John Major:

Auch in 50 Jahren wird Großbritannien noch das Land sein, wo lange Schatten auf die Cricketfelder fallen, wo es warmes Bier, ewig grüne Vororte und Hundenarren gibt. Die wesentlichen Dinge werden sich hier nie ändern.
Von wegen. Längst wird GB von seinen Ex-Kolonien hart bedrängt. So wie hellenisierte Städte einst zu Olympischen Spielen zugelassen wurden, durften „Anglisierte“ gleich am Cricketkult teilnehmen. Nun lieben Neuseeland und Australien es, England auf seinem ureigensten Gebiet zu schlagen. Jamaika mischt mit, um kein Spielverderber zu sein. Indien, Pakistan und Sri Lanka verfügen derzeit über die besten Athleten: es gelingt ihnen (mittels Reinkarnationen?), die Regeln geschickter zu nutzen als ihre Erfinder. 1992 sorgten die Pakistani, deren Landsleute in London sonst meist in Schnellimbissen arbeiten, für die empfindlichste Schmach: Sie gewannen auf dem Grün des MCC.

Regeln

Dabei ist die Raffinesse dieses Spiels auf den ersten Blick kaum zu erkennen und sein Regelwerk undurchschaubar. Lauschen wir also einem Kenner:
Es gibt zwei Mannschaften, eine draußen im Felde und eine drinnen. Jeder Spieler, der zur Mannschaft im Feld gehört, geht raus. Wenn er draußen ist, geht der nächste Spieler rein, bis er draußen ist. Wenn nun alle draußen sind, kommt die Mannschaft rein, die draußen war, und die, die drinnen waren, versuchen die grade Reingegangenen, wieder rauszuholen. Manchmal kommen aber welche nur rein und nicht raus. Wenn bei beiden Mannschaften alle Spieler drinnen und draußen waren, ist das Spiel beendet.
Noch mal? Cricket ist ein Fang- und Rückschlagspiel für zwei Teams à elf Mann, die denselben blütenweißen Dress tragen. Der bowler von Team A (Angriff) wirft den Ball aus Kork und Leder auf ein Gerüst aus wickets, worauf der batsman von B (Verteidiger) versucht, ihn per Weidenholzschläger abzuwehren. Während die fielders von B den Ball fangen und schnellstmöglich an ein sicheres wicket werfen, muss der bowler möglichst viele wickets ablaufen, um Punkte für A zu erzielen. Die Befolgung weiterer ausgesucht komplizierter Regeln, vor allem aber das Verhalten auf dem Rasen machen dem Nationalcharakter alle Ehre: kein Fluchen, kein Zeichen von Missmut, kein Anfechten des Schiedsrichterspruchs. Auch wenn Cricket nach Baseball klingt – it´s not.