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Portrait Gallery

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National Portrait Gallery

2 St Martin´s Place, WC2, T. 7312 2463. www.npg.org.uk. Tgl. 10-18h, Do/Fr -21h. Eintritt frei. Audioguide frei, 3 € Spende üblich.

Hinter der National Gallery wurde 1856 die NPG eingerichtet, um Porträts bedeutender Briten zu sammeln. Ob Ölgemälde, Tempera, Gouache, Zeichnung, Scherenschnitt, Büste, Skulptur oder Photo: es sind stets Werke ihrer Zeitgenossen, die den aus dem Geschichtsunterricht geläufigen Namen ein Antlitz verleihen.

Jeder NPG-Besuch bereitet Freude, auch wenn nicht jedes Werk nach künstlerischen Aspekten ausgewählt wurde. Audioguides bieten umfassende Erläuterungen zu 200 Porträts. Nicht ausgestellte Werke werden auf Verlangen aus den Kellergewölben geholt, wo 45.000 Exponate lagern.

Rundgang

Gegenwärtig bieten 9000 Werke, auf fünf Etagen chronologisch geordnet, ein Panorama des politischen, kulturellen und sozialen Lebens seit 1400. Die hochverehrte Elisabeth I. tritt uns in einer eigenen Reihe gegenüber, vom hübschen pausbäckigen Mädchen bis zur bleichen Maske einer dem Tode nahen Greisin. Dann gibt es van Dycks Studie zum Haupt Karls I., von vorn, links und rechts – jenem Haupt, das dem unglücklichen Stuart 1649 abhanden kam. Oder man blickt in Richards III. nachdenklich-sympathisches Konterfei und fragt sich, ob dieser König jenes Ungeheuer war, das uns Shakespeare auf die Bühne dichtete. Vom Barden selbst hängt hier übrigens das einzige erhaltene Porträt!

Neben Holbein (1497-1543), der zwar Deutscher war, aber vorwiegend in England wohnte und hier starb, erwarten den Besucher u.a. William Hogarth, Sir John Millais und andere berühmte Porträtisten. Andy Warhol und Annigoni versuchten sich an Elisabeth II., Sam Taylor Wood legte kürzlich ein Video-Porträt des schlafenden David Beckham vor, und schließlich hängt hier das einzige authentische Bildnis von Jane Austen, gemalt von ihrer Schwester Cassandra. Für das 20. Jh. kann man direkt die zweite Etage ansteuern. Auf der Balcony Gallery (eröffnet 2000) wird ausgestellt, was seit 1960 hinzukam.

Pause. Von der Überdosis Gesichtern erholt man sich prima im Portrait Restaurant unterm Dach, bei Snacks und dem Blick über Londons Skyline. Wer´s billig (und aussichtslos) braucht, findet das Portrait Café im Keller.

NPG: Wer setzt die feine Gesellschaft aufs Land?

Thomas Gainsborough (1727-88) war der prominenteste „Hausmaler“ der reichen Familien. Der Linkshänder ließ deren Mitglieder in prächtigen Landschaften vor nicht minder prächtigen Häusern, etwa der Pall Mall, Modell sitzen. So entstand mit dem Bild seiner Zeitgenossen das ihrer Umgebung.

Die Gunst der guten Gesellschaft teilte er sich mit George Romney (1734-1802), von dem in der NPG ein Selbstporträt hängt. Bemerkenswert war auch Romneys Leben: Jahrelang entzog er sich seiner Familie, um 1785 heimzukehren und den Lebensabend bei Frau und Sohn zu beschließen, als sei nichts gewesen.

Die Vita von Sir Joshua Reynolds (1723-92) spielte sich dagegen recht öffentlich ab. Obwohl Verehrer der italienischen Renaissance, wollte er dem englischen „großen Stil“ zur Weltgeltung verhelfen. Um einen achtbaren Status für Maler zu erreichen, begründete Reynolds 1768 die Royal Academy mit. Der Volksmund behauptet, dass er den Rest seiner Energie verwenden musste, um diverse Vaterschaftsklagen abzuwehren.