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Erklärung

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Was sagt uns ...

...Rotten Row?

Die gepflegte Unfähigkeit des Londoners, Fremdsprachen (zumal französisch) zu verstehen, macht vor dem Hyde Park nicht Halt. Bei der Rotten Row handelt es sich nicht um einen vergammelten Reitpfad, sondern um die Route du Roi: Straße des Königs. Benannt wurde sie im 18. Jh., als französisch an allen Höfen Europas très chic war. Friedrich der Große blies auf Sanssouci sogar seine Querflöte französisch.

Marble Arch Hyde Park, W1. U Marble Arch.

Der marmorne Triumphbogen von John Nash stand 1827-51 vor dem Buckingham Palace, dann erwies er sich als zu eng für Viktorias Kaleschen und wurde in die nö Ecke des Hyde Park versetzt. Hier macht er wenig Sinn, sieht aber seltsam aus, was in London als Existenzberechtigung reicht.

Speakers´ Corner Cumberland Gate, gegenüber Marble Arch, W1.

Heute gibt es ja Leserbriefseiten in jeder Zeitung, doch im 19. Jh. war die Stimme des kleinen Mannes nur auf Massendemos zu vernehmen. Also ließ nach gewalttätigen Unruhen 1872 die weise Regierung Ihrer Majestät diese Ecke einrichten. Allhier darf jeden So jeder Nobody (meist sind es religiös frisch Erleuchtete) ungebremst erzählen, was der Welt grad noch fehlt. A monument to free speech, indeed – and quite amusing, too.

Tyburn Convent 8 Hyde Park Place, Bayswater Rd, W1, T. 7723 7262. www.tyburnconvent.org.uk. 300m westl. von U Marble Arch. Tgl. 6-20.30h. Eintritt frei. Führung (40 min) frei, tgl. 10.30/15.30/17.30h.

In der Benediktinerkapelle (1903) liegen Reliquien und Wappen jener 105 katholischen Märtyrer, die während der Reformation am Tyburn Tree hingerichtet wurden. Beim Marble Arch markiert ein Schild den Platz, wo bis 1783 dieser berüchtigte dreibeinige Galgen stand. Am Tyburn Tree hauchten seit 1196 etwa 50.000 Menschen öffentlich ihr Leben aus. Die meisten Bösewichter hatten zuvor im Tower oder im Newgate Prison (siehe Old Bailey) eingesessen.

... One for the road?

Wird heute von Pub/Bar-Gästen unverfänglich für den „Absacker“ gebraucht. Hatte im Mittelalter aber eine ultimativere Bedeutung. Als der Tyburn Tree noch jenseits der Stadtgrenzen lag, zogen die Vollzugsbeamten auf Karren mit den Deliquenten aus den Stadtknästen zur Hinrichtungsstätte. Unterwegs, an der Straße, die heute Oxford St heißt, lag ein Landgasthof, in dem die zum Tode Verurteilten einen Abschiedstrunk frei hatten. Mit dem letzten Schluck begaben sie sich dann auf ihre Schlussfahrt – zum Galgen.

Apsley House 149 Piccadilly, W1, T. 7499 5676. www.english-heritage.org.uk. 50m östl. von U Hyde Park Corner. Di-So 10-17h (Nov-März -16h). Eintritt inkl. Audioguide 7/5 €, Kind (5-16) 4 €, mit EH Pass frei. Kombiticket mit Wellington Arch 9/7/5 €, Familie 23 €. Führung 4 €, nach Anfrage.

Von Robert Adam 1771-78 errichtet, war Baron Apsleys Sitz das erste Gebäude, wenn man von Westen her durch das Zolltor von Knightsbridge die Stadt betrat. Darum bekam es die fesche Anschrift No 1, London ab. Zwei Jahre, nachdem er 1815 Napoleon sein Waterloo beschert hatte, erwarb es Arthur Wellesley, Herzog von Wellington (1769-1852), und lebte darin bis zu seinem Tode, keineswegs als Frührentner. Von 1828-46 war der berüchtigte Reaktionär mehrfach Premier oder Minister. Bis heute hausen Nachfahren des Eisernen Herzogs in Apsley House, doch zehn Räume gestaltete die Familie 1947 zum Wellington Museum um.

Überraschungen. Das Museum umfasst auch Wellingtons Gemäldesammlung: Velásquez, Goya, Murillo, Breughel, Rubens, van Dyck, lauter berühmte Namen. Drumrum stehen Möbel und Porzellane, an denen der Waterloo-Sieger täglich vorbeischritt, plus einer verblüffenden 3,40m-Statue von Antonio Canova. Objekt der Darstellung ist der (abzüglich eines Feigenblattes) splitternackte Napoleon.

Wellington Arch Hyde Park Corner, W1, T. 7930 2726. www.english-heritage.org.uk. 50m östl. von U Hyde Park Corner. Mi-So 10-18h (Nov-März -16h). Eintritt 5/4 €, Kind (5-16) 2,50 €. Kombiticket siehe Apsley House.

Geschichte ist voller Wechselfälle – hat ähnliches nicht schon früher der zuständige Lehrer behauptet? Jedenfalls gibt ihm der militärisch strenge Bogen recht, den Decimus Burton 1826 zu Ehren des Waterloo-Siegers vor Buckingham Palace aufstellte. 1882 wurde er Stein für Stein umgesiedelt und am Hyde Park Corner mit einer bronzenen (und zu groß geratenen) Quadriga gekrönt. In den 1950ern bot Wellington Arch gar Londons kleinster Polizeiwache Unterschlupf. Heute ist er samt dreistöckiger Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich. Die erfreut sich der Plattform in 25m Höhe (freie Aussicht auf den Tennisplatz der Queen!), muss aber zuvor die Anreise über den brutalsten Knotenpunkt der Stadt überleben.