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Allein reisen, besser nicht

Die Dornenkrone der Kathedrale

Paläste und Denkmäler

Niemand hindert uns, die Stadtbesichtigung auf eigene Faust zu unternehmen; dies erweist sich aber auf keinen Fall als besonders praktisch. Erheblich unkomplizierter ist es da schon, an einer geführten Tour teilzunehmen. Die Busverbindungen sind nämlich relativ verzwickt. Vermeiden sollte man für Besichtigungen die Wochenenden, da dann bestimmte öffentliche Gebäude geschlossen sind. Brasília, die Hauptstadt aus der Retorte, wächst jedes Jahr und gewinnt an Lebendigkeit. Trotzdem fehlt gerade den Verwaltungssektoren eine wirkliche Seele. Es besteht keine Möglichkeit, nach Lust und Laune umherzuschlendern wie etwa in Rio oder sogar in Sao Paulo.

Fernsehturm: auf der Eixo monumental (Monumentalachse). Von 8 bis 20 Uhr geöffnet, 218 m hoch. Einzig von Belang ist der Blick über die Stadt, den der Turm Besuchern von der 75 m hohen Aussichtsplattform gewährt. Eigentlich ein ganz guter Anfang, um einen Eindruck von der städtebaulichen Konzeption Brasílias zu gewinnen. Kostenloser Aufzug. Nachts ist der Besuch besonders lohnend.

Kathedrale: mit ihrer Kuppel in Form einer Dornenkrone ist sie noch das schönste Beispiel einer glücklichen Verbindung von Glas und Beton. Schon draußen empfangen uns vier auffallende Skulpturen der Evangelisten. Das Innere stellt sich in Form von steinernen Bogenbündeln dar, in die sich Glasfenster einfügen, um Helligkeit einzulassen. Drei an Seilen festgemachte Engel scheinen im Raum zu schweben. Absichtlich sind sie etwas disproportional gestaltet, um die Perspektive und die Bedeutung des freien Raumes zu betonen.

Itamarati-Palast: nach fünfzehn identisch-monotonen, quaderförmigen Ministerien – um Eifersüchteleien zu vermeiden – kommen wir am Außenministerium vorbei, das nach der Vorgängerbehörde in Rio noch immer Itamarati heißt. Es ist eines der elegantesten Gebäude Brasílias. Zierliche, schlanke Bogenkolonnen tauchen aus dem Wasser auf und scheinen sich in seinen Spiegelungen zu verlängern, was dem Baukörper eine harmonische Leichtigkeit verleiht. Im Bassin stellt eine meteorenförmige Skulptur die fünf Erdteile dar.

An der Seite des Itamarati fällt ein längliches Gebäude auf, das sich aus Hunderten von gelben, orangefarbenen und braunen Kacheln zusammensetzt. Hierbei handelt es sich um das Werk Sergio Bernades (1962), dem Lieblingsarchitekten von Präsident Quadros. Dieser zeigte sich nicht damit einverstanden, dass Niemeyer alleiniger Baumeister von Brasília sein sollte. Bernades Werk allerdings ist wunderbar häßlich und fügt sich nicht in die Umgebung ein.

Praça dos Três Poderes: hier haben die drei (in Brasilien nicht immer vorschriftsmäßig getrennten) Gewalten ihren Sitz, also Judikative (Justiz), Legislative (Parlament) und Exekutive (Regierung). Eine Reihe architektonisch bemerkenswerter Gebäude. Besichtigungsmöglichkeit von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags nur nachmittags. Am lohnendsten ist der Besuch natürlich während einer Sitzung.

Oberster Gerichtshof: dank seiner perfekten Proportionen architektonisch wertvoll. Vor dem Gebäude wacht eine Statue Justitias mit verbundenen Augen über die Unabhängigkeit der Justiz. Für Besucher geöffnet von montags bis freitags, 12 bis 19 Uhr. Genau gegenüber der Präsidentenpalast, der Palácio do Planalto.

Am äußersten Punkt der Eixo Monumental liegen das uninteressante Museu Histórico (Geschichtsmuseum) und die bekannte Figurengruppe der Krieger, im Volksmund »die Wäscheklammer« genannt.

Dahinter das von Niemeyer geschaffene Freiheitsdenkmal, das den Komplex abschließt. Es wurde 1986 zu Ehren Tancredo Neves eingeweiht, an den das Militär 1984 die Macht abgeben mußte und an dessen Person sich in Brasilien viele Hoffnungen knüpften. Neves starb jedoch kurz vor Übernahme des Präsidentenamts. Das Denkmal erinnert an das Davonfliegen einer Taube und gleichzeitig an die Umrisse Brasiliens. Im Inneren stellt ein ausdrucksstarkes Fresko das Martyrium Tiradentes dar.

Auf dem Weg in die Innenstadt trifft man auf der rechten Straßenseite noch auf das Justizministerium, dessen Fassade in unterschiedlicher Höhe angebrachte Wasserspeier beleben.

Palácio da Alvorada: am Ufer des Paranoá-Sees. Noch bevor der Plan von Brasília endgültig fertiggestellt war, stand dieses Gebäude schon, was seine eher dezentrale Lage erklärt. Auch dies ein Werk Niemeyers, dessen weiße Säulengänge berühmt sind. Hier residiert Interimspräsident Franco.

Nationaltheater (Teatro Nacional): größtes Theater Südamerikas, zwischen der Rodoviária und dem Ministerium für Kultur und Erziehung. Seine äußere Gestalt ist unverkennbar von aztekischen Pyramiden inspiriert. Leider nicht zu besichtigen.

Igreja Dom Bosco: im Wohnsektor, Germinadas Sul, links vom Fernsehturm. Ein Muß! Von allen bedeutenden Gebäuden Brasílias ist diese Kirche mit der schönsten Innenarchitektur versehen. Ihr können sogar Ungetaufte und Abtrünnige etwas abgewinnen. Die »Kirchenmauern« sind von oben bis unten aus nuancenreichen blauen und malvenfarbigen Glasstücken zusammengesetzt. Der Lichteffekt ist einmalig. Vom Ganzen geht ein Gefühl von Frieden aus.

Buriti-Palast: im Norden, rechts vom Leitwerk des »Flugzeugs«. Sitz der Bundesverwaltung; beherbergt daneben noch ein kleines Waffenmuseum. Von dienstags bis sonntags, 8.30 bis 17.30 Uhr.

Heeresministerium: bekannt wegen seiner »Riesen-Schwertgarde«, monumentales Symbol für das Schwert des später zum Herzog ernannten Haudegens Luís Alves de Lima e Silva Caxias (1803-1880), eines der erfolgreichsten Generäle des Landes. Vortreffliche Akustik im Inneren des Ministeriums; Mikrophone sind daher bei den Reden der Militärs überflüssig.

Auch das Botschaftsviertel (Setor das Embaixadas) stellt sich als besuchenswert heraus: jedes Botschaftsgebäude ist von einem anderen Architekten geplant worden, mehr oder weniger im jeweiligen Stil des Landes.

Zum Schluß noch das Kubitschek-Denkmal. Im Inneren eine kleine Fotoausstellung, die von den Projekten des Ex-Präsidenten berichtet. Sein Grabmal in der Mitte des Bauwerks umgibt ein üppiger Zierrat an der Grenze zum Kitsch. Was Wunder, finden sich doch alle Buchstaben dieses in viele Sprachen eingegangenen Wörtchens im Namen des ehemaligen Präsidenten wieder ...