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Inquisition und Hexen-Hysterie

Papier und Buchstaben durften bleiben

Wie weise waren doch die Araber

Weitere wichtige arabische Einflüsse: die aus Indien stammenden »arabischen« Zahlen, die der Kaufmann Leonardo da Pisa in den Handelskontoren von Kairo, Damaskus und Tunis kennengelernt hatte und die von Palermo aus in ganz Europa verbreitet wurden. Albrecht Dürer gab ihnen die uns bekannte Gestalt. Eine weitere Neuigkeit war der Gebrauch des Papiers, den Normannen schon 1090 bekannt, anstelle des Pergaments. Dieses hatten Araber in China kennengelernt.

Die Toleranz, die unter den Mauren nicht nur auf dem Papier stand und nicht nur ein bloßes Dulden, sondern wirkliche Mischung und Durchdringung war, wich mit der Zeit unter der Christenherrschaft Haß und Verfolgung. Jahrhundertelang wütete die Heilige Inquisition, zunächst gegen die »Ungläubigen«, die Ketzer, dann aber auch gegen Frauen, die man der Hexerei und Buhlerei mit dem Teufel verdächtigte.
Vor Augen halten muß man sich, daß dreitausend Jahre vorher der altbaylonische Herrscher Hammurabi im § 2 der ältesten Rechtssammlung der Welt jeden für unwahre Bezichtigung der Hexerei mit Tod und Einziehung seines Besitzes bedroht. Wie tolerant waren oft die Heiden gewesen! Keinerlei Nachspürungen, kein anonymes Anklagen erlaubte 122 das Reskript des aus Spanien stammenden Trajans, das über hundert Jahre lang das Verhältnis zu den Christen bestimmt. »Denn das wäre ein schlimmes Beispiel und unserem Zeitalter nicht angemessen.« Hadrian verordnete später: »Ich will nicht, daß Unschuldige belästigt werden, und man muß verhindern, daß die Verleumder ungestraft ihr Brigantenhandwerk ausüben können«.

Der damalige Islam ÷ nicht der heutige, wenn er fundamentalistisch daherkommt, der S. Rushdie, Nasran und Asiz lieber geteert, gefedert und gebraten als lebendig sähe ÷ war also weitaus offener gegenüber fremden Kulturen, sofern deren Religionen, wie der Islam, nur einen Gott kannten. Muselmanen durften christliche und jüdische Werke studieren und selbst die der »heidnischen« griechischen Antike, weil die Muslime der Meinung waren, die griechischen Wissenschaftler und Gelehrten glaubten in Wirklichkeit gar nicht an diverse Götter, sondern nur an einen einzigen, »logos« nämlich. Arabische Herrscher ließen ihre Gelehrten systematisch die Bibliotheken in unterworfenen Ländern sichten. Al Mamun, Kalif von Bagdad und Sohn des berühmten Harun ar-Rashid, handelte nach einem Sieg über den Kaiser von Byzanz einen Friedensvertrag aus, dessen wichtigste Forderung die nach Auslieferung aller Werke der griechischen Antike war, etwas, was die tumben christlichen Verlierer überhaupt nicht verstehen konnten.

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