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ReiseTops.com/Tourismus in Bulgarien

Tourismus in neuen EU-Ländern

Bulgarien und Rumänien neue Urlaubsziele

Skifahren und Schwarzes Meer

Am ersten Januar 2007 sind Rumänien und Bulgarien der nun 27 Länder umfassenden EU beigetreten. Damit öffnet sich deren Markt nach Westen hin. Die Angst vor billigen Arbeitskräften war in manchem westlichen Land entsprechend groß. Auf der anderen Seite rechnen die beiden Staaten mit höheren Besucherzahlen, und damit verbunden, mit mehr Devisen. Die jüngsten Buchungszahlen scheinen diese Annahme zu stützen.
Der schnelle Anstieg findet allerdings häufig auf Kosten der Umwelt statt. Bauwütige Investoren schrecken selbst vor Naturschutzgebieten nicht zurück. Immer mehr Hotels und Ferienanlagen entstehen entlang der Schwarzmeerküste und in den Wintersportorten. Die in weiten Teilen noch unberührte Natur sowie geschützte Gebiete mit seltenen Pflanzen und Tieren schwinden allzu schnell dahin.

In Bulgarien betrugen die Einnahmen aus dem Tourismus rund zwei Milliarden Euro. Die Regierung hofft, daß diese in zehn Jahren 7,7 Milliarden Euro betragen, und somit 16 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen werden.
Die Interessen von Umweltorganisationen, Tourismusverbänden und Bewohnern von den für den Tourismus interessanten Gebieten sind häufig gegenläufig. Es herrscht ein offener Streit um das richtige Vorgehen, bei dem jede Seite nur die eigenen Interessen sieht. Die Umweltschützer den Schutz der Umwelt, die Tourismusprofis den erhofften Gewinn und die Bewohner den lang ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung. Alle drei Interessenslagen sind in gewisser Hinsicht legitim und verständlich, nur sollte man zum langfristigen Nutzen aller auch alle drei Sichtweisen berücksichtigen. Hat man doch schon an anderen Beispielen beobachten können, daß ein Ausbau des Tourismus ohne Rücksicht auf Belange der Natur zu ungewollten Ergebnissen führen kann.

Die bulgarischen Umweltschützer setzten ihre Hoffnung auf das EU-Netz geschützter Gebiete, „Natura 2000“. Doch die in EU-Belangen noch ungeübte Regierung in Sofia hatte es verschwitzt, zum EU-Beitritt am 1. Januar Schutzgebiete auszuweisen. Als Mitte Februar eine vorläufige Liste veröffentlicht wurde, umfaßte diese nur rund 20 Prozent des Staatsgebietes, statt der von Umweltschützern erwarteten 28 Prozent.

Bisher geschützte Gebiete, wie der Naturstrand Irakli südlich von Burgas und Kap Kaliakra an der nördlichen Schwarzmeerküste fehlten. Grund dafür ist wohl das ausgesprochene Interesse von Investoren an den touristisch äußerst attraktiven Lagen. Die Landbesitzer sind gegen den Schutz der Gebiete, da sie befürchten leer auszugehen. Um ihre Interessen zu vertreten, greifen sie zu vehementen Mitteln. So blockierten sie beispielsweise wichtige Zufahrtstraßen, um gegen die Eintragung ihrer Regionen in „Natura 2000“ zu demonstrieren.

Aber auch die Umweltschützer nutzen ungewöhnliche Protestmethoden. So drohte eine anonyme Umweltgruppe mit dem Auslösen einer Schneelawine im Skiort Bansko. Sympathischer ist da schon die Aktion der Öko-Gruppe „Naturbesessene“, die in Sofia einen nicht genehmigten, aber friedlichen Protest in Schlafanzügen veranstaltete.

Ihren Höhepunkt findet die Auseinandersetzung zwischen Umweltschützern und Investoren in der noch nicht fertiggestellte Feriensiedlung „Slatna perla“ (Goldperle) an der südlichen Schwarzmeerküste. Hier hätten im Naturpark Strandscha Briten, Iren, Belgier und sogar Inder Ferienwohnungen zu Preisen zwischen 80 000 und 180 000 Euro erworben. 30 Prozent der Summe sei bereits angezahlt, obwohl das Gebiet unter Naturschutz steht, und somit die Siedlung ordnungsrechtlich nicht zugelassen werden kann. Um das Projekt dennoch zu realisieren, soll nun der Naturschutzstatus des Landstreifens aufgehoben werden.

Bulgarien und Rumänien sind sicherlich lohnende Reiseländer, bei denen gerade die Ursprünglichkeit und Naturbelassenheit einen Großteil des Charmes ausmachen. Damit dies so bleibt, sollten nachhaltige Tourismuskonzepte bevorzugt werden. Denn schließlich unterliegt auch das Geschäft mit dem Tourismus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Nimmt man Billigangebote in Anspruch, fördert man damit nur allzu oft den Ausverkauf der Natur vor Ort.

SF

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