Tenochtitlán ist der antike Name der modernen Mexiko-Stadt. In der Aztekensprache Nahuátl bedeutet der Name "Stadt des Tenochs" bzw. "Stadt des Steinkaktusses". Die Legende besagt, dass die Azteken als Nomadenvolk zum "Lago de Texcoco" in Zentralmexiko wanderten. Ihr Gott Huitzilopochtli hatte Ihnen vorausgesagt, dass sie eines Tages auf einen auf einem Feigenkaktus sitzenden Adler treffen würden, der eine Schlange im Schnabel halte. Dieses Ereignis konnten sie auf einer Insel im Texcocosee beobachten und so erbauten sie ihre Lager an dieser Stelle. Der Adler und die Schlange aus der Legende sind heute auf der mexikanischen Flagge abgebildet. Bald schon, ungefähr im Jahre 1325 n. Chr., entstand die damals größte Stadt auf Erden, die Hauptstadt der Azteken: Tenochtitlán.
Die Azteken machten sich aufgrund ihrer Machtgelüste und blutigen Kriege rund um den Texcocosee und auch in weiter entfernten Regionen keine Freunde. Als 1519 500 Spanier unter der Führung von Hernán Cortéz an der Küste Mexikos landeten, war dies für einige Stämme die lang ersehnte Möglichkeit, das ungeliebte Inselvolk loszuwerden. Aufgrund dieser Koalitionsmängel und der Zögerlichkeit des derzeitigen aztekischen Herrschers Moctezuma II. (heute auch bekannt durch „Montezumas Rache“, die geläufige Bezeichnung für die Touristenkrankheit Mexikos) konnte das einst so mächtige Volk der Azteken mit eifriger Hilfe der Tlaxcalteken besiegt werden.
José León Sánchez, in Costa Rica geboren, wurde mit 19 Jahren unschuldig zu 45 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er 20 absaß. In dieser Zeit lernte er Lesen und Schreiben und begann, die Geschichte der mittelamerikanischen Urvölker in Romanen zu verarbeiten. Er schreibt seinen Roman Tenochtitlán vor allem aus dem Blickwinkel der "Verlierer". Diese werden dabei keinesfalls als friedfertig dargestellt, im Gegenteil, durch das Erzählen von Seiten der Azteken kommt die Unbedarftheit, mit der die für unsere Kultur unvorstellbaren Gräueltaten begangen wurden, erst richtig zum Vorschein. Auch klärt Sánchez das oft gehandelte Missverständnis, dass alleine die Spanier am Untergang Tenochtitláns Schuld tragen.
Zwei Religionen treffen aufeinander, eine grausamer als die andere. Dies ist, für Interessierte an der aztekischen Kultur, ein durchaus aufregender und lohnenswerter Einblick. Sánchez jedoch legt keinen Wert auf Elemente wie Spannungsbogen oder lebendige Dialoge. Lediglich das Geschehen wird beschrieben, nüchtern und faktengetreu. Somit werden leider alle Liebhaber der leichten Unterhaltung das Buch allzu schnell weglegen.
MM
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